
Beim hybriden CarbonCycleCultureClub (C4) am Montag, 15. Dezember von 18 bis etwa 21 Uhr zum Thema „Sind Treibhausgasemissionen der Agrarwirtschaft vermeidbar?“ wurden Fragen wie diese zur Transformation der Agrarwirtschaft diskutiert. Dieses Mal fand der C4 im großen Ratssaal des alten Rathauses der Lutherstadt Wittenberg statt. Moderiert wurde die Veranstaltung von Professor Ralf Wehrspohn, Vorstandsvorsitzender des Forum Rathenau. Carsten Franzke, Vorstand des Forum Rathenau und Geschäftsführer der SKW Stickstoffwerke Piesteritz, schlug die Brücke zum Kraftwerk Zschornewitz, denn es gab ein Jubiläum zu feiern: 110 Jahre Strom aus dem Kraftwerk Zschornewitz zu den Stickstoffwerken Piesteritz! – Wie sieht die Stromversorgung der Zukunft für energieintensive Unternehmen aus? fragten wir beim C4.
Zu Gast beim Forum Rathenau waren:
- Dr. Reiner Haseloff, Ministerpräsident für Sachsen-Anhalt, Grußwort und Podiumsgast
- Torsten Zugehör, Oberbürgermeister der Lutherstadt Wittenberg, Grußwort
Zu Gast auf dem Podium waren:
- Dr. Reiner Haseloff, Ministerpräsident für Sachsen-Anhalt, Grußwort und Podiumsgast
- Frank Gemmer, Hauptgeschäftsführer des Industrieverband Agrar e. V. (IVA)
- Prof. Dr. Klaus Pillen, Leiter der Professur Plant Breeding, Pflanzenzüchtung an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und Vorstand Leuchtturm 3 und DiP (Projekt „Modellregion der Bioökonomie zur Digitalisierung pflanzlicher Wertschöpfungsketten im Mitteldeutschen Revier in Sachsen-Anhalt“)-Sprecher
- Antje Bittner, Geschäftsführerin der SKW Stickstoffwerke Piesteritz GmbH
In der Agrarwirtschaft sind ähnlich wie in der Energiewirtschaft Transformationsprozesse unumgänglich, um Treibhausgasemissionen zu reduzieren. Derzeit betragen die Treibhausgasemissionen der Deutschen Landwirtschaft jährlich rund 62,1 Millionen Tonnen CO₂-äquivalent (Schätzung für das Jahr 2024 laut der offiziellen Emissionsberichterstattung des Umweltbundesamtes). Das sind ungefähr zehn Prozent der gesamten deutschen Treibhausgasemissionen. Drei Bereiche sind dabei von besonderer Bedeutung:
Methan-Emissionen aus der Tierhaltung (Fermentation und Wirtschaftsdüngermanagement von Gülle und Mist) sowie Lachgas-Emissionen aus landwirtschaftlich genutzten Böden als Folge der Stickstoffdüngung (mineralisch und organisch) sowie der gesamte Bereich der Düngemittelherstellung.
Im Besonderen die Methan-Emissionen aus der Tierhaltung und das Wirtschaftsgüter Management mit Stickstoffdünger sind Themen, die auch kritisch diskutiert werden.
Der CarbonCycleCultureClub im Livestream
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Mehr InformationenProfessor Ralf Wehrspohn heißt alle willkommen
Der Vorstandsvorsitzende des Forum Rathenau Professor Ralf Wehrspohn dankte dem Oberbürgermeister der Lutherstadt Wittenberg Torsten Zugehör herzlich, dass der Forum Rathenau mit dem CarbonCycleCultureClub (C4) im Ratssaal des Rathauses der Lutherstadt Wittenberg zu Gast sein konnte.
„Wir haben gerade unsere Mitgliederversammlung im Kraftwerk Zschornewitz gehabt, das auf eine sehr lange Historie zurückblickt“, berichtete Professor Wehrspohn. Das hat auch den besonderen Grund, dass am Montag, 16. Dezember 2025 110 Jahre Netzschalte war zwischen dem Kraftwerk Zschornewitz und den Stickstoffwerken Piesteritz. Carsten Franzke wird gleich noch einen Einblick in die Historie geben.
Wir sind sehr froh, Herr Ministerpräsident, dass Sie unser Schirmherr sind, so Professor Wehrspohn und vor allem haben Sie den Kraftwerkssenioren auch im Jahr 2015 versprochen, dass wir das Kraftwerk wieder nutzen können. Seit einem Monat hat das Forum Rathenau zusammen mit dem Bürgermeister von Gräfenhainichen den Schlüssel für das Kraftwerk erhalten. Wir sind sehr, sehr froh, so Professor Wehrspohn und die Kraftwerkssenioren sind heute auch hier dabei. „Wir haben es gemeinsam geschafft mit Ihnen als Schirmherr“, so Professor Wehrspohn. Wir sind mit einem Bus herübergekommen von Zschornewitz nach Wittenberg wie der Strom vor 110 Jahren. 1919 ist dann Berlin angeklemmt worden von Zschornewitz für die goldenen 20er Jahre dort. Zunächst aber erstmal Bitterfeld. Aber ich möchte noch nicht zu viel verraten an der Stelle, meinte Professor Wehrspohn. Ich freue mich sehr, dass wir heute in einer so hochkarätigen Runde über die Zukunft der Agrochemie sprechen können unter dem Stichwort sind Treibhausgasemissionen in der Agrarwirtschaft vermeidbar?

Grußwort von Oberbürgermeister Torsten Zugehör
Ich freue mich jetzt aber zunächst mal, dass wir hier sein dürfen, so Moderator Professor Ralf Wehrspohn. Nach dem Schirmherrn – nicht dem Ministerpräsenten, sondern unserem Schirmherrn – ist dann der Oberbürgermeister dran, Herr Torsten Zugehör, dem wir noch einmal ganz herzlich danke sagen, dass wir hier in diesem schönen Saal sein dürfen, dass er extra für uns den Weihnachtsmarkt hier vor die Tür gestellt hat, sodass niemand verhungert. Vielen, vielen Dank. Wir freuen uns auf Ihre Grußworte hier zu unserem CarbonCycleCultureClub, so Professor Wehrspohn.
Oberbürgermeister Torsten Zugehör (parteilos) stellte sich als ehemaliger Stickstoffwerker vor und begrüßte deshalb auch besonders Antje Bittner und Carsten Franzke von SKW Piesteritz.
Die Lutherstadt Wittenberg – wir sprechen immer so ganz leicht von Transformation und denken, das ist so ein Narrativ, so ein Begriff, den nehmen wir auf und das hat irgendetwas mit entfernter Zukunft zu tun. Das ist nicht der Fall, denn wir in Wittenberg haben das schon mehrfach alles erlebt, so Oberbürgermeister Zugehör. Wir haben Transformation erlebt im religiösen Sinne, dass wir die Reformationsstadt sind. Wir haben das erlebt als Militärstandort. Wir waren Garnisonstadt. Wir haben das erlebt in den 90er Jahren mit der Wende, und wie hat sich da eigentlich auch der Industriestandort hier verändert in der Lutherstadt Wittenberg? Immer wieder, immer wieder hat diese Stadt und hat diese Region bewiesen, dass wir das können. Auch diese schmerzhaften Prozesse, die haben wir immer wieder mit aufgenommen.
„Ich will Sie da nicht jetzt ermüden nur mit dem Blick nach hinten, sondern ich möchte noch einmal ganz kurz mit wenigen Punkten das Thema streifen und sagen, warum nachhaltige Stromkreisläufe, Stoffkreisläufe, gesunde Böden, resiliente Ernährungssysteme gerade auch für uns als Kommune extrem wichtig sind und will das anhand weniger Stichpunkte machen“, sagte Oberbürgermeister Zugehör. Bodenschutz und regionale Landwirtschaft: Wir als Kommunen profitieren von stabilen Erträgen der regionalen Betriebe, und so eine nachhaltige Agrochemie kann Bodenerosion, Humusverlust und Nährstoffeinträge reduzieren. Die Lutherstadt Wittenberg ist seit über 100 Jahren ein entsprechender Chemiestandort in der Agrochemie. Deswegen sind wir nicht nur die Lutherstadt, sondern wir sind Zentrum und haben diesen Transformationsprozess schon mehrfach absolviert. Das kann Ihnen, und das wissen Sie, Herr Franzke nachher noch viel besser erklären. Wasserqualität: Das ist ein wichtiges Thema. Optimierter Einsatz von Düngern und Wasserschutz. Wir haben auch Herrn Reinhardt hier, den Chef unserer Stadtwerke, der gleichzeitig der Betriebsleiter des Entwässerungsbetriebs ist. Ein ganz wichtiges Thema, das da immer wieder eine Rolle spielt. Dann haben wir Klimaanpassung, darüber reden wir auch immer und resiliente Ernährungssysteme stärken die kommunale Versorgungssicherheit.
Diese ganze Resilienz, auch die der Wirtschaft muss bezahlt werden, die muss erwirtschaftet werden. Wenn wir jemanden ernähren wollen, dann muss es auch irgendwo mal geerntet werden. Und eines ist doch klar, das haben wir doch in den letzten Jahren gelernt: Wenn wir solche Partner wie Agrochemie einfach hier weglassen mit unseren Stickstoffwerken, dann reichen die Erträge in der Landwirtschaft nicht, um uns hier überhaupt nur annähernd selbst versorgen zu können. Das muss uns alles klar sein, erläuterte Oberbürgermeister Zugehör.
Das, was wir alles tun, das was Sie besprechen, das, was wir kommunizieren, das ist ganz wichtig, denn die Konflikte zwischen bei diesen Themen – der Ministerpräsident hat es gerade auch gestreift – werden hier an der Basis ausgetragen. Wenn man zu einer Bürgerversammlung zu Windrädern geht, die Diskussion, da gibt es nicht regelmäßige Gespräche in Berlin, die werden bei uns hier in unseren Ortschaften geführt. „Wie wir dort miteinander umgehen und was dort passiert, das beeinflusst dann auch die Resilienz unserer Heimatstadt“, sagte Oberbürgermeister Zugehör.
Zwei Dinge ganz zum Schluss. Was ich mir wünsche, und da gebe ich dem Ministerpräsidenten recht: Professor Drosten hat das in seiner Rede, die als Rede des Jahres gekürt wurde, gesagt – das „eiskalte Händchen“ der Wissenschaft, dem sollten wir mehr vertrauen. Die von Ihnen, die Naturwissenschaftler sind, Chemiker, Biologen, Physiker, die wissen: Sie können sich das Experiment am Ende des Abends noch so schön quatschen. Wenn Sie sich eine grüne Flamme wünschen und sie war blau, dann können Sie da einen wunderbaren Parteitag darüber machen. Die wird nicht grün. So ist das nun mal in der Wissenschaft. Das muss man auch bereit sein, zu akzeptieren, und daran ändert auch die Politik nichts. Wir müssen uns höchstens darüber unterhalten: Was müssen wir tun, damit diese Flamme grün wird? Diesen Weg muss man gehen, und da muss man sich dann auch Zwischenziele setzen, die realistisch erscheinen.
Das Zweite ist: Ich habe schon mehrfach bei verschiedenen Reden gerne den Spruch vom Holstentor in Lübeck genommen: „Concordia domi fores pax“. „Eintracht nach innen, Frieden nach außen“. Bisweilen haben wir den Eindruck, dass derzeit nur Wert auf „fores pax“ gelegt wird. Dass „concordia domi“ („Eintracht nach innen“), genauso wichtig ist, genau dasselbe Gewicht hat – ich glaube, dafür sind Veranstaltungen wie diese, wo wir uns dann diesen Fakten nähern, mit Fakten den Problemen begegnen wollen, genau das Richtige. Ich freue mich jedenfalls kurz und knapp, dass Sie da sind. Ich wünsche Ihnen einen wunderbaren Abend und freue mich, dass Sie irgendwann bald in unser schönes Rathaus wiederkommen, so Oberbürgermeister Zugehör.
„Herr Oberbürgermeister, was Sie wahrscheinlich nicht wussten, ist, dass ich Lübecker bin. Insofern habe ich mich sehr gefreut darüber. Den kannte ich natürlich auch auswendig, den Spruch. Da stimme ich Ihnen vollständig zu. Insofern habe ich mich sehr gefreut darüber“, so Professor Wehrspohn. Das andere Thema, das Sie angesprochen haben, ist natürlich völlig richtig. Wir sehen das so wie die Weiterführung des energiepolitischen Dreiecks: Nachhaltigkeit, Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit. Das wollen wir heute genau, wie Sie es sagen, auf die Agrochemie übertragen. Versorgungssicherheit heißt heute Resilienz. Wie ist mit Nachhaltigkeit?, aber wir dürfen die Kosten nicht aus dem Auge verlieren. Das ist genau dieses Dreieck, das wir heute besprechen wollen.

Carsten Franzke schlägt die Brücke zum Kraftwerk Zschornewitz
Wer könnte in diese Thematik besser einführen als Carsten Franzke, der Geschäftsführer der Stickstoffwerke SKW Piesteritz und gleichzeitig mein Vorstandskollege seit kurzem, der sehr tatkräftig hier unser Forum Rathenau unterstützt und gerade auch die Praxiswerkstatt hier im Vorstand mitvertritt. Lieber Herr Franzke, wir freuen uns auf Ihr Intro, führte Moderator Professor Wehrspohn ein.
Herzlichen Dank den Vorrednern, herzlichen Dank, dass Sie alle hier sind. Ich freue mich ganz besonders: Seit Juli sind wir als Chemie+ und ich persönlich als SKW Franzke sozusagen im Vorstand des Forum Rathenau, und es ist wirklich wohltuend, mal einen Diskussionskreis zu finden, in dem man ausschließlich dem Molekül folgt und nicht Wünschen, Wünschelruten, Vorstellungen. Hier gibt es wirklich Wissenschaft pur, und vor allem: Hier gibt es Jugend, so Vorstand Carsten Franzke.
Ein Beispiel, mit dem wir im Forum Rathenau in diesem Jahr ein Zeichen gesetzt haben, ist das Bootcamp, „Create New Chemistry“. Am 5. Dezember wurden unter großer politischer Aufmerksamkeit im Kulturhaus Wolfen die Ergebnisse dieses Bootcamps „Create New Chemistry“ vorgestellt. Fünf Teams junger Wissenschaftler:innen und Gründer:innen hatten sich den Aufgaben von Unternehmen, konkreten Challenges gestellt und diese drei Monate lang mit den Unternehmen bearbeitet und so einen starken Einstieg in die Unterstützung von Gründungen in die Chemiebranche geebnet. „Das brauchen wir dringend. Wir brauchen junge Leute, wir brauchen Ideen, wir brauchen Mut, wir brauchen Unternehmertum auf dem Weg, und wir brauchen natürlich auch die alte Industrie“, sagte Carsten Franzke. Zehn Basischemikalien erzeugen 70.000 Spezialchemikalien. Ohne die zehn Basischemikalien (Ammoniak und Harnstoff gehören dazu) sitzen wir in dem Raum nur mit Sachen direkt von der Wiese, direkt aus dem Wald und direkt aus dem Fluss, so Franzke.
Warum sind wir heute hier? Zum heutigen Abend im Wittenberg: Das Kraftwerk Zschornewitz, wir haben es des Öfteren gehört, lieferte vor genau 110 Jahren den ersten Strom an den Standort Wittenberg-Piesteritz in die damaligen Reichsstickstoffwerke. Wir haben, ich war völlig überrascht, einen Artikel aus 1915 ausgegraben. Den habe ich vorhin bekommen. Danke schön an das Forum Rathenau. Finde ich total toll. Ich zitiere – original: „Deutsches Brot aus deutscher Kohle. Von Zschornewitz hinweg führen vier Leitungen gewaltige Strommengen nach Norden. Hunderte von Millionen Kilowattstunden, bald eine Milliarde jährlich, klettern zur Höhe gewaltiger Masttürme, kreuzen die Elbe unweit Wittenberg und senken sich hinein in das Herz mächtiger Hallen – Priesteritz.“ Das ist die Sprache von gestern, aber die Themen von gestern sind die Themen von heute, so Carsten Franzke.
Wenn man sich überlegt, Herr Haseloff hat es vorhin auch kurz anklingen lassen: Warum ist dieser Standort eigentlich entstanden? Da gab es doch irgendwann einen Weltkrieg, den Ersten. Und dann gab es irgendwo Salpeter, das aus Chile gesendet wurde. Und was ist passiert? Die britische Seeblockade hat verhindert, dass Salpeter nach Deutschland kam. Das heißt, wir haben ein Ernährungsproblem, und wir haben ein Resilienzproblem, also Munition. Aus dem Grund ist eigentlich dieses Werk entstanden, berichtete Carsten Franzke.
Und heute, wo wir nicht die friedlichsten Zeichen haben, wo wir immer mehr Weltbevölkerung haben, da kommen wir auf die glorreiche Idee: Die energieintensive Industrie, die Wertschöpfungskette – Ammoniak, Haber-Bosch-Verfahren ist seitdem entwickelt worden –, das schaffen wir jetzt ab, was wir 1915 genau aus dem Grund angeschafft haben? Da fragt man sich doch, wo lebe ich eigentlich? Was ist hier los?, fragte Carsten Franzke.
Franzke: „Das ist Aufgabe der Wissenschaft, das nachzuweisen, dass wir produzieren können, was wir brauchen, und gleichzeitig die Umwelt schützen können mit Zukunftsideen, die aber auch machbar sein müssen. Das ist unser Anspruch, den wir hier heute aussenden wollen. Ohne die deutsche innovative Basischemie keine Ernährung, keine Versorgung, keine Resilienz, kein Wohlstand, keine Arbeitsplätze und kein nachhaltiger Umweltschutz. Das ist eigentlich das, was wir vorantreiben auf wissenschaftlichem Weg mit den Unis, mit unseren Partnern.“
Wir werden auch gleich darüber reden, was wir alles getan haben aber auch, was wir noch tun können. Freuen wir uns auf diesen spannenden Abend. Wir haben das Kraftwerk mittlerweile als Denk- und TransformationsKraftwerk entwickelt – haben wir vorhin gehört. Und nachdem nun auch die Brandschutztüren eingebaut sind und weitere Auflagen des Bauordnungsamts in der letzten Woche abgenommen wurden – und das ist nicht nur zeitaufwendig, sondern auch sehr teuer, aber wir haben es geschafft – können wir es nun aktiv nutzen. Heute gab es quasi die Einweihung, die Mitgliederversammlung hat heute im Kraftwerk stattgefunden. Das Forum unterstützt mit Wissenschaft unsere erfolgreiche Zukunft beim Nachwuchs und in den Unternehmen, und damit für dieses Land. Ich freue mich nun auf eine spannende Podiumsdiskussion mit unseren hochkarätigen Gästen. Ich freue mich, dass Sie alle hier sind. Herzlichen Dank, so Carsten Franzke.

Frank Gemmer: Ernährung sichern, Umwelt schonen
Wir würden beginnen – und da freuen wir uns sehr, dass der Hauptgeschäftsführer des Industrieverbands Agrar e. V. hier ist: Herr Frank Gemmer. Er wird uns einen kleinen Impuls geben in dieses Thema. Ich hatte ja dieses Dreieck mit Resilienz oder Versorgungssicherheit, Nachhaltigkeit, CO₂ und dann unten Wirtschaftlichkeit schon angedeutet. In dem Spannungsfeld befinden wir uns. Aber es ist noch ein bisschen komplizierter, werden wir gleich feststellen, denn es geht eben nicht nur um CO₂, es geht um CO₂-Äquivalente. Wir haben noch Lachgas, das kommt sonst ganz selten in der Energiewende vor. Lachgas hat aber einen Faktor von fast 200-fach mehr als CO₂, und Methan hat ja ungefähr 25-fach mehr als CO₂. Das heißt, wir haben ein sehr komplexes Thema. Deshalb freue ich mich auf diese Diskussion heute. Frank Gemmer selbst ist von der Pike auf gelernter Agrarwissenschaftler, hat in Bonn studiert. Er ist seit 2020 Hauptgeschäftsführer des Industrieverbands Agrar e. V. Wir freuen uns sehr, dass Sie angereist sind. Wir freuen uns auf Ihren Impuls, so Professor Ralf Wehrspohn.
Vielen Dank, Herr Prof. Wehrspohn für die nette Einleitung und Begrüßung, so Frank Gemmer. Vielleicht noch kurz ein, zwei Worte zum IVA, damit Sie wissen, mit wem Sie es überhaupt zu tun haben: Der IVA ist ein Fachverband des VCI. VCI ist ja der Verband der chemischen Industrie Deutschland. Wir haben in Summe rund 2.300 Mitglieder im Gesamtverband, haben 23 Fachverbände, zum Beispiel auch einen für Textilien, nämlich TEGEWA, für Bauchemie und für Lacke.
Wir als Industrieverband Agrar haben im Grunde vier Säulen, um die wir uns kümmern. Wir haben insgesamt 47 Mitglieder. Ein paar kleine wie BASF, Bayer, die sich dann schwerpunktmäßig im Bereich Pflanzenschutz betätigen. Dann haben wir auch ein paar kleine Düngemittelhersteller, unter anderem die SKW als Mitglied. Wir beschäftigen uns aber auch mit Biostimulanzien. Das ist ein Thema, das sehr spannend ist. Das sind Naturstoffe, die im Pflanzenbereich nicht direkt wirken, aber das Pflanzenwachstum fördern können, zum Beispiel Huminstoffe, Huminsäuren, die Sie auf dem Acker ausbringen, die dann das Wurzelwachstum fördern und durch das geförderte Wurzelwachstum dann für eine bessere Nährstoffversorgung oder -aufnahme sorgen, wodurch auch der Nährstoffverlust verringert wird. Da gehören auch Braunalgen, Mikrobiome, die Stickstoff sammeln, dazu. Das ist eine ganz eigene Klasse, erläuterte Frank Gemmer. Das vierte Thema, mit dem wir uns beschäftigen, sind die neuen Züchtungsmethoden, weil einige unserer Mitglieder auch in diesem Bereich tätig sind und hier jetzt ganz aktuell ja in der EU das Thema Zulassung von diesen NGTs, (New Genomic Techniques, oder neue Züchtungsmethoden auf Deutsch) in der Zulassung ist, was dann gleich unter Gentechnik auch gehandelt wird, so Frank Gemmer.
Dazu vielleicht ein kurzer Exkurs: Es gibt im Gentechnikgesetz verschiedene Techniken im Züchtungsbereich, die zugelassen sind. Dazu gehört auch beispielsweise die Mutagenese mit radioaktiver Bestrahlung oder mit chemischen Stoffen, womit dann genetische Variationen, Mutationen im Genom ausgelöst werden. Die sind aber im Lebensmittelrecht nicht als Gentechnik gekennzeichnet, werden auch im Bioanbau eingesetzt und damit haben Sie eigentlich alle schon irgendwo mit Gentechnik, mit solchen Lebensmitteln zu tun, obwohl Sie es gar nicht wissen. Auf der anderen Seite: Diese NGTs basieren auf der CRISPR/Cas-Methode (Genschere), womit wir ja auch die Impfstoffe gegen Corona entwickelt haben, wo man relativ zielgenau weiß, was man genau im Genom verändert. Das soll jetzt als Gentechnik gekennzeichnet werden bis zum Endverbraucher. Also so, dass auf der Pizza, auf der dann eventuell die Tomate gentechnisch verändert wäre oder mit CRISPR/Cas erzeugt wurde (da gibt es eine ganz interessante Tomate in Japan, die extrem gute Inhaltsstoffe hat) diese dann als mit Gentechnik hergestellt gekennzeichnet werden müsste, obwohl da jede Menge Produkte drauf sind, die eigentlich schon züchtungstechnisch gentechnisch wären. Aber das nur am Rande, ist heute nicht mein Thema. Wobei, zu NGTs habe ich auch etwas dabei, weil das auch im Klimabereich helfen kann, so Frank Gemmer.
Gemmer: „Ernährung sichern, Umwelt schonen – ist aus unserer Sicht kein Widerspruch, denn wir müssen alle diese Dinge untereinander bringen. Wir müssen hier, und das ist auch der Punkt, für Lösungen sorgen, dass wir auf der einen Seite – das klang heute auch an – die Produktivität sichern und, dass wir auf der anderen Seite auch genügend Nahrungsmittel produzieren und dafür auch letztendlich Lösungen schaffen.“ Die Herausforderungen, die wir haben, das sind die vorgegebenen Ziele, die uns bevorstehen zur Reduktion von CO₂-Emissionen. Wir wollen ja 90 Prozent bis 2040 reduzieren ausgehend vom Stand 1990.
8 bis 9 Prozent sind die Emissionen der Landwirtschaft. Da kann ich sagen, haben wir bis jetzt unsere Vorgaben eingehalten und arbeiten auch daran, dass wir sie weiter einhalten werden. Aber Sie sehen, wir müssen einiges tun, um diese Emissionen zu reduzieren, ohne unsere Industrie zu verlieren, ohne Deutschland zu deindustrialisieren. Denn Industrie ist einer der ganz großen Verbraucher von fossilen Energien, weil das relativ günstig war die vergangenen Jahre. Die Landwirtschaft ist da auch beteiligt. Dazu gehören natürlich die ganzen Produktionsverfahren (Precision Farming, die Stickstoffinhibitoren).
Deutschland strebt nach Klimaschutz und wir haben, das habe ich schon gesagt, jede Menge Reduktionspotenzial, 65 Prozent allein bis 2030 im Vergleich zu 2019. Wie kann man das effektiv machen? Der größte Punkt ist die Emission von Lachgas im Ackerbau. Dort haben Sie momentan den größten Einfluss, in CO₂-Äquivalenten umgerechnet, wo Emissionen in der Landwirtschaft entstehen. Lachgas entsteht vor allen Dingen, wenn Sie Sauerstoffmangel im Boden haben. Stickstoff wird normalerweise umgesetzt zu Nitrat. Wenn das nicht ausreicht, dann wird es zu N₂O, Distickstoffmonoxid auch als Lachgas bekannt, und N₂O geht in die Luft. Dazu haben wir dann Technologien entwickelt, darauf gehe ich gleich noch ein, die das massiv verhindern können, berichtete Frank Gemmer.
Die zweite große Säule ist die Düngerproduktion. Auch da kann Lachgas entstehen, aber auch da sind wir in Deutschland relativ weit, dass wir das über Filter herausholen können und jetzt schon einiges hinbekommen. Die Lachgasemission aus den Ernterückständen ist auch ein relativ großes Thema. Wenn Sie Stroh einarbeiten unter feuchten Bedingungen, kann das auch passieren, dass Sie da relativ hohe Emissionen haben. Was auch ein Punkt ist, der zu berücksichtigen ist, sind die Kraftstoffe, also im Grunde genommen der Dieselverbraucher auf dem Acker. Wir haben dazu ein Papier geschrieben, in dem wir uns gemeinsam mit der Uni Hohenheim Gedanken gemacht haben: Wie kann man im Ackerbau diese Dinge besser regeln? Wo gibt es Ansatzmöglichkeiten (ist heute das Thema), diese Emissionen zu reduzieren?
Das wäre auf der einen Seite auf jeden Fall der Einsatz grüner Düngemittel. Grüne Düngemittel heißt, dass ich statt Haber-Bosch-Verfahren (klimaneutral produzierten) Wasserstoff nutze. Dafür muss ich meine Anlagen umbauen. Das ist relativ teuer und auch nicht einfach, sondern das ist ein massiver Umbau. Ich könnte damit aber zwischen 15 und 22 Prozent (das sind immer die Minimum-/Maximumwerte) reduzieren, erläuterte Frank Gemmer.
Dann gibt es das Thema NGT, diese Züchtungsmethoden, bei der ich mit resistenten, resilienten Pflanzen höhere Erträge erziele und eventuell auch stickstoffeffizientere Pflanzen habe. Die Einsparungsmöglichkeiten liegen in diesem Bereich laut der Uni Hohenheim zwischen 3 und 10 Prozent.
Dann haben wir das ganze Thema teilflächenspezifische Düngung, dass ich im Grunde genommen mit Sensoren oder auch über Satellitenbilder oder Drohnenbilder untersuche: Wo brauche ich viel Stickstoff, wo brauche ich wenig Stickstoff?, und dann dementsprechend bedarfsgerecht dünge, sodass ich keinen Überschuss habe. Denn Überschuss wird verloren gehen. Entweder geht er in die Luft als Lachgas, oder er geht als Nitrat in den Boden. Das kann man damit verhindern. Man könnte zwischen 3 und 6 Prozent reduzieren.
Dann haben wir noch die Endstabilisatoren, die sogenannten Inhibitoren, die den Prozess der Umwandlung von Harnstoff zu Ammoniak und dann von Ammoniak zu Nitrat kontrolliert steuern, sodass ich dann auch keine Überschüsse habe, weniger Lachgas produziere und damit auch wieder hier reduzieren kann, in der Spitze bis 6 Prozent.
Wir haben bewusst Pflanzenschutz mit dazugeschrieben. Pflanzenschutz direkt hat keine Minderungspotentiale, aber dadurch, dass ich höhere Erträge habe, kann ich auch den CO₂-Fußabdruck wieder reduzieren. Dann haben wir das Thema Vermeidungskosten.

Antje Bittner: Kooperation zwischen Industrie und Landwirtschaft
Als nächstes freuen wir uns sehr, dass wir unsere nächste Referentin hier haben von SKW Piesteritz Antje Bittner, Geschäftsführerin der SKW Piesteritz. Antje Bittner wurde im Mai 2023 als Chief Sales Officer in die Geschäftsführung der SKW Stickstoffwerke Piesteritz berufen. Sie ergänzt hier das Management zusammen mit Carsten Franzke und vielen weiteren. Sie verantwortet Industriechemikalien und vor allem eben das Düngemittelgeschäft. Deswegen freuen wir uns sehr, dass Sie heute hier sind. Sie ist studierte Diplomagraringenieurin, sogar hier von der Uni Halle, haben wir gehört. Sie trat schon 1989, also sozusagen im Wendejahr, in dieses Unternehmen ein und war an vielen Stellen im Unternehmen tätig. Sie ist seit ihrer Jugend, das fand ich auch sehr schön, hier mit der Landwirtschaft schon verbunden. Kennt das sozusagen von der Pike auf. Das ist ja heute auch wichtig in solchen Diskussionen, dass man nicht nur Theoretiker und Praktiker hat. Wir freuen uns sehr, dass Sie uns heute einen kurzen Impuls geben aus Ihrer Sicht, was Ihr Unternehmen alles geleistet hat. Wir haben die Verbandssicht schon gehört, aber jetzt wollen wir natürlich auch hier in Piesteritz beziehungsweise Wittenberg Ihre Ideen, ihre Ziele wissen. Bitte schön, so Professor Wehrspohn.
„Wenn eine SKW weg ist, dann tut’s weh. Das muss ich einfach so sagen“, begann Antje Bittner ihren Impuls. Sie sehen hier – einen kleinen Einblick für die, die uns noch nicht ganz so gut kennen. SKW ist der größte Ammoniakproduzent Deutschlands. Wir sind auch der größte Harnstoffproduzent Deutschlands mit 1,5 Millionen Tonnen. Wir haben mittlerweile 930 Mitarbeiter. Und das, was immer wieder Eindruck macht: An uns hängen weitere 10.000 Arbeitsplätze. Also es tut weh, wenn wir weg sind. Und wir haben investiert.
Es wurde eben auch von Herrn Gemmer erwähnt, dass Lachgas in der Produktion auftritt. Das ist für SKW überhaupt kein Thema mehr. Die SKW hat schon seit Langem fast kein Lachgas mehr, und wir werden nächstes Jahr auf null sein. Das dürfen wir nicht vergessen. 1,5 Milliarden haben wir gerade viel in die Infrastruktur, in die Logistik, aber auch in den Umweltschutz gesteckt. Hier sieht man auch noch einmal, wofür eine SKW steht. Wir sind nicht nur ein ganz kleiner Produzent von Düngemitteln, ein bisschen Ammoniak – diese Produkte, die wir haben, der Dünger für die Lebensmittelbranche, das ist ein systemkritisches Produkt. Der Großteil oder ein wichtiger Teil unserer Harnstoffproduktion geht in Düngemittel, und nicht in einfach nur normale Düngemittel, das sind alles Spezialitäten, die durchdacht entwickelt worden sind, die Bedürfnisse treffen, die hier für die Landwirtschaft entwickelt wurden, so Antje Bittner weiter.
Wir haben AdBlue, wer das noch nicht wusste. AdBlue ist ein wesentlicher Punkt für die Minderung von Abgasen, von Dieselabgasen. Harnstoff ist auch ein wesentlicher Part für die Baustoffindustrie. Auch für die Herstellung von Melamin wird Harnstoff gebraucht. Ammoniak für die Gas- und Kohlekraftwerke. Wenn wir eine Entstickung wollen, brauchen wir dafür SKW. Und nicht zu vergessen, das haben die Herren vor mir auch schon gesagt: Sicherheit, Weltraum, Bundeswehr, Munition. Wer will seine hochkonzentrierte Salpetersäure bei Herrn Putin anfragen? Wir produzieren die. Wir brauchen das für die Verteidigungsindustrie, so Antje Bittner.
Hier sehen Sie eine Übersicht, wo Harnstoffproduktion CO₂-Emissionen verursacht und in welchem Maße. Da sehen wir China ganz unten, „kohlebasiert“, unendlich hohe Zahlen. Eine SKW, die haben wir in diese Folie hineingearbeitet, ganz oben: jetzt schon auf einem viel, viel niedrigeren Niveau, als es alle anderen europäischen und außereuropäischen Produzenten machen. Das dürfen wir nicht vergessen. Da ist unser Geld hineingeflossen. Das haben wir schon gemacht, um so einen Status zu erreichen. Hier ist SKW noch einmal abgebildet in 30 Jahren innovativer Agrarchemie. Wir haben bereits im Jahr 1993 begonnen, mit inhibierten Düngemitteln zu arbeiten, berichtete Antje Bittner.
Wir sagen heute immer Kooperation. Macht es einen Sinn? Kann die Landwirtschaft etwas tun? Ist eine Kooperation zwischen Industrie und Landwirtschaft sinnvoll? Ja, wir leben das ja schon seit vielen Jahren. Wir leben das seit 1993. Jeder Landwirt, der seit 1993 unsere nitrifikationsinhibierten Produkte einsetzt, tut schon längst etwas für die Umwelt, für die Minderung des CO₂-Fußabdrucks. Wir haben damals gesehen, unsere Forschung hat damals schon gesehen, das ist der richtige Weg. Wir müssen hier in diese Spezialprodukte investieren. Und die Landwirtschaft hier hat es verstanden. Hier in Deutschland wird es seit 1993 bereits eingesetzt. Wir haben das dann erweitert im Jahr 2016, die Produkte, die einen Nitrifikationsinhibitor enthalten, noch erweitert um einen Ureaseinhibitor. Das ist nicht direkt klimarelevant, aber indirekt doch. Wir mindern Ammoniakemissionen. Im letzten Stadium, das war dann im Jahr 2023, hat unsere Forschung ein Produkt entwickelt, das Atmowell® heißt. Das ist ein Ureaseinhibitor für den Tierstall.
Also eine SKW denkt über den Tellerrand hinaus. Die SKW hat Düngemittel, die den CO₂-Fußabdruck mindern, die Ammoniakemissionen mindern, sowohl auf dem Acker als auch im Stall, im Tierstall. Da scheitern wir momentan daran, dass das gar nicht erkannt wird. Wir sind eigentlich seit vielen Jahren hier in Deutschland extrem weit. Gerade diese Produkte, dieses ALZON® neo-N mit Urease- und Nitrifikationsinhibitor ist immer noch eine Weltneuheit. Das hat ein Alleinstellungsmerkmal. Niemand in der Welt produziert bisher so ein Produkt.
Wir haben aber Riesenprobleme. Es kommen hier Düngemittel ins Land, die in außereuropäischen Ländern produziert wurden, die in Russland produziert werden, die einmal einen viel höheren CO₂-Fußabdruck haben, das hatte ich schon gezeigt, aber die auch keinerlei Inhibitoren enthalten. Eigentlich müsste in Deutschland jeder Harnstoff nach Paragraph 6 der Düngeverordnung mit einem Ureaseinhibitor behandelt werden oder innerhalb von 24 Stunden eingearbeitet werden, um die Ammoniakemissionen zu mindern. Was hat eine SKW? Ein Fertigprodukt. Der Landwirt bekommt das Produkt, der weiß, dass er mit dem Einsatz dieses Düngemittels die Vorgaben der Düngeverordnung einhält. Jetzt kommt billige Ware hier nach Europa, weil wir in den vergangenen Jahren so enorm unter diesen hohen Gaspreisen leiden. Dazu muss man wissen, Erdgas ist unser Hauptrohstoff. Ohne Erdgas können wir kein Ammoniak produzieren, können wir keinen Harnstoff produzieren – sagen wir, bis jetzt, ich komme dann noch auf etwas anderes. Aber dieses Erdgas, das haben Sie alle mitbekommen, ist unendlich teuer geworden. Wir zwingen die Landwirte indirekt dann, Ware aus dem europäischen, außereuropäischen Ausland zu nehmen, aus Russland, weil es einfach mit viel niedrigeren Gaspreisen produziert wird. Dort haben wir Gaspreise, die vielleicht zwischen 1 und 3 Euro liegen. Wir hatten im Höchstsatz, 2022 war es, 360 Euro pro Megawattstunde. Wie soll das funktionieren? Wir haben aber die klügeren Produkte. Wir haben die Produkte, mit denen man CO₂ mindern kann. Wir zwingen die Landwirte durch diese hohen Preise, dass die das nicht mehr nehmen, sondern Ware kaufen, die Emissionen nicht in dem Maße mindern kann, wie wir es tun, so Antje Bittner.
Da kommt jetzt Harnstoff hier rein, muss man sich vorstellen, das erschüttert mich jeden Tag: Da wird so getan, als ob Urease draufgemacht wird. Manche sprühen was darauf. Manchmal wird den Landwirten auch gesagt, „wir haben einen Ureasehemmer drauf, der ist farblos“. Wir haben das im IVA schon ganz oft diskutiert, dass wir fordern: Wir brauchen Düngemittelfertigprodukte, dass gar kein Potenzial zum Betrug ist. Und vor allen Dingen: Wir machen uns etwas vor, wenn wir sagen, Harnstoff muss nach Düngeverordnung mit Ureasehemmer behandelt werden, es wird aber nicht gemacht. Aber in der Statistik vom Statistischen Bundesamt steht: Es wird in Deutschland soundso viel Harnstoff eingesetzt. Da es ein Gesetz gibt, dass man Ureasehemmer verwenden soll, unterstelle ich, dass es behandelt wird, aber das wird es nicht. Damit unterstelle ich auch, dass Ammoniakemissionen gemindert werden, aber die mindere ich nur auf dem Papier. Da gibt es so viele Wege, so viel Umgehungspotenzial, wo betrogen wird. Das erschüttert uns.
Deswegen sagen wir, schaut euch das an, was hier seit Jahren getan wird, was die Industrie, die SKW Piesteritz macht, was die Landwirte, die das nutzen, machen. Lobt das und hebt das hervor.
Nächstes Thema: Biomethan, hatten wir vorhin auch schon. Wir mindern den CO₂-Fußabdruck durch Inhibitoren, aber was wir schon längst können als SKW ist Biomethan. Ich hatte vorhin gesagt, wir brauchen Erdgas zur Produktion. Alternativ können wir auch Biomethan nehmen, ist überhaupt kein Problem. Wir könnten die ganzen Anlagen auf Biomethan umstellen. Es gibt es bloß nicht in dem Maße, wie wir es brauchen, und es kann keiner bezahlen. Wir haben bereits in den letzten zwei Jahren Produkte hergestellt (das PIAMON®, das ALZON® in den alpha-Varianten, d. h. auf Basis von Biomethan), mit denen wir den CO₂-Fußabdruck um 90 Prozent gemindert haben. Wir haben eine kleine Menge Biomethan bekommen, aber das Ganze kostet 30 Prozent mehr als die ursprüngliche Variante. Hier unten sehen Sie auch AdBlue® alpha, auch das haben wir schon hergestellt. Man kann auch AdBlue® alpha machen. Dazu haben unsere Kollegen von der Öffentlichkeitsarbeit und Carsten Franzke die Ministerien in Deutschland alle angeschrieben und haben gesagt: Nehmt doch für eure Flotte AdBlue® alpha mit 90 Prozent gemindertem Fußabdruck. Was war die Antwort? Eine hat geschrieben, sie hat Elektroautos und die anderen haben nicht reagiert. Das zum Thema Minderung.
Also wir können das zu 90 Prozent. Wir brauchen aber Biomethan, und wir brauchen Verbraucher, die bereit sind, das zu zahlen. Der Landwirt wird das nicht tragen. Der Landwirt kann das nicht zahlen. Der leidet jetzt schon unter den hohen Düngemittelpreisen. Wir haben diese Projekte durchgesetzt. Wir haben Partner gefunden mit der Bäckerei Lieken. Wir haben Partner auch mit Mühlen gefunden. Was wir nicht gefunden haben, sind: der Einzelhandel und Verbraucher, die es dann wirklich bezahlen. Und wir haben das mal bei Toasties durchgerechnet: So eine Packung Toasties, sechs Stück drin, da würde eines, mit dem Biomethan produziert, nicht einmal einen Cent mehr kosten. Ist keiner bereit zu zahlen. Und das sind diese Voraussetzungen. Wir können alles. Wir haben einen ganz klaren Plan.
Wir hatten das Thema GreenRoot. Der Ministerpräsident ist leider nicht mehr da, aber da zündet der sofort, der weiß, wie wichtig das ist. Wasserstoff, Biomethan für uns. Aber wer soll es bezahlen, und wer hat die Ware da? Wer hat Wasserstoff da? Wer hat Biomethan da?, so Antje Bittner.
Was ich auch noch erwähnen wollte, ist das Thema CBAM (Carbon Border Adjustment Mechanism). CBAM ist sicherlich im Grundsatz gut gedacht. Die Umsetzung ist bloß eine kleine Katastrophe. Das muss man einfach auch so sehen. Das Einzige, was sicher ist: Wir warten alle auf Benchmarks, dass die Importeure wissen, was sie für Aufschläge zahlen müssen – weiß momentan noch keiner. Das Gesetz ist 2023 in Kraft getreten. Es ist seit 10 Jahren vorher diskutiert worden. Es wird 2026 jetzt scharfgeschaltet, aber keiner weiß, was er tun soll. Keiner weiß irgendwelche Zahlen. Das Einzige, was sicher ist: dass eine SKW und dass die europäischen Produzenten höhere Kosten haben, weil die kostenlosen zugeteilten CO₂-Zertifikate abgeschmolzen werden.
Das ist das einzige Klare daran. Wo ist der Vorteil, der geplant war? Wo ist der Effekt, der geplant war, dass die europäische Industrie entlastet werden soll, die schon seit Jahren für CO₂-Zertifikate zahlt? Bisher gibt es keinen. Die außereuropäischen Industrien haben das jetzt erst einmal so gemacht: Die haben jetzt bis zum Dezember Unmengen an Düngemitteln nach Europa gebracht. Es gibt Häfen, da liegen 300.000–400.000 Tonnen Harnstoff, die aus Oman, aus Iran, aus allen möglichen Ländern kommen und erst einmal gebracht wurden, um diese ganze CO₂-Geschichte, die CBAM-Gebühren, zu umgehen. Damit werden wir erst einmal noch ein paar Monate zu tun haben. CBAM mag gut gedacht sein, aber dann muss es erst einmal so implementiert werden, dass es funktioniert, dass außereuropäische Produzenten wirklich gesichert Abgaben machen, und dann können wir vielleicht mal darüber nachdenken, für die Industrie hier für die CO₂-Zertifikate die Abschmelzung zu verschieben.
Danke schön noch einmal für Ihre tolle Rede, sagte Professor Wehrspohn.

Professor Klaus Pillen zur aktuellen Forschung
Wir wollen natürlich unseren letzten Redner auch zu Wort kommen lassen, der jetzt in die Zukunft schaut: Mein lieber Kollege Prof. Klaus Pillen leitet hier die Professur für Pflanzenzüchtung an der Martin-Luther-Universität und ein ganz wichtiges Strukturwandelprojekt DiP („Modellregion der Bioökonomie zur Digitalisierung pflanzlicher Wertschöpfungsketten im Mitteldeutschen Revier in Sachsen-Anhalt“). Er ist außerdem der Präsident der Pflanzenzüchtungsgesellschaft, was ja hier auch ein ganz wichtiges Thema ist. Er hat auch in Bonn studiert. Danach bei der LMU, war in den USA lange unterwegs an der Cornell, hat dann am Max-Planck-Institut für Züchtungsforschung eine unabhängige Nachwuchsgruppe geleitet und ist seit 2008 hier an der Universität Halle-Wittenberg, so Moderator Professor Wehrspohn.
Danke schön. Vielen Dank, Herr Wehrspohn, für die nette Einführung, so Professor Pillen. Ich möchte Ihnen kurz das DiP-Projekt vorstellen und dann die Möglichkeiten innerhalb des DiP-Projekts wie außerhalb des DiP-Projekts vorstellen, wo man Treibhausgasemissionen reduzieren kann. Zunächst aber ein kurzer Überblick über das DiP-Projekt. Ziel ist, dass wir im südlichen Sachsen-Anhalt eine Modellregion der Bioökonomie für die Entwicklung von nachhaltigen, digital unterstützten pflanzlichen Wertschöpfungsgemeinschaften schaffen. Das Projekt wird finanziert über Kohleausstiegsgelder, über den Strukturwandel.
Sie sehen aber auf der linken unteren Seite die Landkreise, die vor allen Dingen betroffen sind vom Kohleausstieg. Da ist unser Ziel, dass wir hier in dem Bereich Ersatz dafür schaffen. Was machen wir in DiP? Wir haben ein Konzept entwickelt, da war sogar SKW Piesteritz dabei (Frau Schuster, Herr Kreuter), da bedanke ich mich noch einmal für die Zusammenarbeit in der Zeit. Leider ist aber SKW im Moment nicht bei den laufenden Projekten dabei. Wir haben 19 DiP-Verbundprojekte mit 50 Partnern aus Wissenschaft und Wirtschaft. Da haben wir jetzt die erste Förderphase von 2024–2028. Davor kommt eine Zwischenevaluierung. Wenn die positiv läuft, was wir alle erwarten, dann gibt es noch einmal eine zweite Förderphase von 2029–2032. Also wir haben einen langen Horizont relativ zu anderen Forschungsprojekten und ein Fördervolumen von insgesamt 105 Millionen Euro über die neun Jahre, die da anvisiert sind, erläuterte Professor Pillen.
Wir haben eine Begleitforschung dabei, die eben die Nachhaltigkeitskriterien begleitet. Wir haben eine DiP-Koordinierungsstelle, da bin ich der Sprecher oder, andersherum, der Leiter dieser Koordinierungsstelle, die direkt in Halle am Technologie- und Gründerzentrum angesiedelt ist und direkt mit den Firmen beziehungsweise mit den Ausgründungen, die wir da schaffen wollen, zusammenarbeiten soll. Wir haben unsere 19 Verbundprojekte in drei Leuchttürme gegliedert. Das eine wären die Wertschöpfungsketten landwirtschaftlicher Kulturpflanzen. Der zweite Leuchtturm: nachhaltige und klimaresiliente Anbausysteme zur Erzeugung von biobasierten Rohstoffen. Da war SKW Piesteritz vorgesehen, dass wir da mitarbeiten. Der dritte Leuchtturm: Wertschöpfungsketten der Sonderkulturen.
Insgesamt haben wir drei Innovationsbereiche, die wir betrachten: Wie der Name schon sagt, vor allem die Digitalisierung, also Entwicklung digitaler Technologien zur Modellierung und Prozesssteuerung pflanzlicher Wertschöpfungsketten. Das zweite wären die Pflanzen, die wir da im Vordergrund sehen, aufgrund der Situation, die wir hier in Sachsen-Anhalt haben, dass Sachsen-Anhalt einen sehr produktiven Standort für Pflanzen darstellt. Hier geht es um die Optimierung der Produktion und die Bioraffinerie von Pflanzen, also die Weiterverarbeitung. Zuckerindustrie ist ein Beispiel, aber wir wollen das weiter ausdehnen, mit dem Ziel, in klimaangepassten Wertschöpfungsketten fortzuschreiten, erläuterte Professor Pillen.
Der dritte Teil ist die Nachhaltigkeit, also die Etablierung einer nachhaltigen pflanzenbasierten Kreislaufwirtschaft. Die Schwerpunktziele, die wir dabei in den drei Innovationsbereichen betrachten, sind der Ausbau der Digitalisierung der Agrarwirtschaft; die Anpassung der Pflanzen an den Klimawandel; die Förderung der Nachhaltigkeit inklusive Reduktion des CO₂-Fußabdrucks (das passt wunderbar zu unserem heutigen Thema); Ausbau pflanzlicher Wertschöpfungsketten inklusive Bioraffinerien für die stofflichchemische Verwertung von Pflanzen; Schaffung neuer Märkte und Arbeitsplätze; Ausbildung der nächsten Generation von Fach- und Führungskräften, die auch für SKW Piesteritz interessant sein können, die Fach- und Führungskräfte, die wir ausbilden; die Partizipation von Gesellschaft, Politik, Forschung und Wirtschaft am Prozess des Strukturwandels. Deshalb bin ich heute Abend hier, um da einen Impuls zu liefern.
Ich habe gesagt, wir haben 19 Verbundprojekte, die sind hier aufgeführt. Ich habe nicht die Zeit, um die jetzt alle im Einzelnen durchzugehen. Noch einmal die Leuchttürme oder die Gliederung: „Wertschöpfungsketten landwirtschaftlicher Kulturpflanzen“, „nachhaltige und klimaresiliente Anbausysteme zur Erzeugung biobasierter Rohstoffe“ und schließlich „Wertschöpfungsketten der Sonderkulturen“. Und ganz unten steht dann noch einmal diese Begleitforschung, um sozusagen eine Klammer um das Gesamte zu legen. Und jetzt komme ich schon zu dem Fokus: Wie kann man Treibhausgasemissionen reduzieren? Wir haben andere Folien schon gesehen. Ich habe mir eine ältere Folie aus dem Netz gezogen vom Umweltbundesamt im März 2021, aber das zeigt über einen langen Horizont, wie die Planung der Bundesregierung ist. Sie sehen hier die Situation 1990: 1.211 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente. Und wir haben die Zahlen ja eben schon gehört, dass also die Landwirtschaft eigentlich nur den geringsten Anteil daran hat.
Hier habe ich selbst nachgerechnet: 7,2 Prozent, also diese 87 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente von 1.211 Millionen Tonnen, das war die Situation zur Wende, sage ich mal. Und jetzt sehen Sie hier, wie das über die Jahrzehnte reduziert werden soll. Die Darstellung ist von 2021. Trotzdem sind die Zahlen 2020, die Sie jetzt hier in der vierten Säule sehen, nicht fix, sondern da gibt es noch geringe Schwankungen. Die Situation ist, 2020 kommen wir auf 731 Millionen Tonnen, was 40 Prozent Reduktion an CO₂-Äquivalenten bedeutet. Bei der Landwirtschaft waren es zu dem Zeitpunkt 2020 prognostiziert 66 Millionen Tonnen, also 9 Prozent. Die Frage ist, wie geht es weiter, und das ist hier für 2024 einmal dargestellt. Erst einmal – was ist die Situation? Wir haben 53 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente im Jahr 2024. Auch diese Zahl war vom Umweltbundesamt nicht endgültig, sondern da unten ist ganz klein geschrieben, dass das eine vorläufige Schätzung ist. Sie sehen jetzt aber in diesem Kuchendiagramm, dass bezogen auf die Landwirtschaft wir genau die vorher schon erwähnten drei großen Bereiche für Treibhausgasemissionen haben, nämlich auf der einen Seite Methan, das 61 Prozent der Treibhausgasemissionen ausmacht – und hier vor allen Dingen Methan, das aus der Tierhaltung stammt, daneben aus den Wirtschaftsdüngern und schließlich aus Gärresten – und auf der anderen Seite Lachgas, erläuterte Professor Pillen.
Herr Wehrspohn hatte schon erwähnt, dass es das größere Potenzial hat, also stärker klimaschädlich wirkt. Da geht es vor allen Dingen um landwirtschaftliche Böden, daneben um Wirtschaftsdünger wieder und um Gärreste. Und der dritte, sehr kleine Teil, das sind die direkten CO₂-Emissionen, die aus der Kalkung unserer Böden resultieren, teilweise aus dem Harnstoffabbau und schließlich aus dem Kohlenstoffdünger. Das ist die Situation. Vielleicht können wir das nutzen in der Podiumsdiskussion, um noch einmal darauf einzugehen, wo können wir einsparen und was ist möglich?
Hier bringe ich Ihnen noch einmal kurz unsere Idee von der pflanzlichen Kreislaufwirtschaft in der zirkulären Bioökonomie. Gemeint ist also, dass wir nicht bei der Primärproduktion stehen bleiben mit der Produktion von Biomasse, sondern es geht sehr stark um die Prozessierung, sprich neue Absatzmärkte für die Landwirtschaft aufbauen in drei Bereichen: Produktion von Chemikalien und Materialien, die Produktion von Bioenergie und Biomethan beispielsweise, das klassische Konzept von Nahrungsmitteln und Futtermitteln. Ein Beispiel für diese biobasierten Produkte, die wir im Blick haben, ist der Konzern UPM, der Richtung Monoethylenglykol den Weg bereitet als Ersatz für unsere normalen polyethylenbasierten, PET-basierten Plastikflaschen. UPM hat für zirka 1,2 Milliarden Euro in Leuna ein neues Werk aufgebaut, das jetzt im Moment tatsächlich in der Produktion einsteigt, berichtete Professor Pillen.
Das wäre ein Beispiel, wo wir in diesem einen Bereich der Defossilisierung die kohlenstoff- oder erdölbasierte Produktion von Plastikmaterialien durch Bioplastik ersetzen können. Jetzt möchte ich Ihnen Beiträge aus dem DiP-Projekt für die Reduzierung von Treibhausgasemissionen zeigen. Erst einmal die Erhöhung der Stickstoffnutzungseffizienz, das kam vorher auch schon als Thema, speziell Pflanzenzüchtung, da sind wir vielleicht auch wieder bei den New Breeding Techniques oder der neuen Genomzüchtung/Genomtechnologien. Also weniger Düngerbedarf. Das wird beispielsweise im DiP-Predict-Projekt bearbeitet. Daneben Aufbau von Leguminosen, beispielsweise Erbsen in der Fruchtfolge, um dadurch eine stärkere Nutzung von Luftstickstoff durch die Knöllchenbakterien zu erreichen. Da haben wir ein Projekt, DiP-DiPisum, bei dem das mitbetrachtet wird. Dann geht es um die Reduzierung, nicht einen kompletten Ersatz. Ich bin nach wie vor Fleischesser mit Freuden, aber es geht unter Umständen um Reduzierung von Fleischkonsum. Da haben wir ein Projekt, das Superfood betrachtet, SuSaKlim ist das Projekt, und daneben Förderung regionaler Wertschöpfungsketten. Das ist in der Begleitforschung direkt ein größeres Thema. Da geht es darum: Reduktion der Methanproduktion einerseits und des CO₂-Fußabdrucks insgesamt. Und schließlich: Direkte Beiträge wären die Digitalisierung in der Agrarwirtschaft. Da geht es um die Feldrobotik. Da haben wir ein Zuckerrübenprojekt – Unkrautkontrolle und Reduktion von Pflanzenschutzmitteln durch Robotik Methoden, die wir betrachten, so Professor Pillen.
Für uns ist Digitalisierung nicht nur Robotik, sondern genauso eben KI-basierte Modellierung, sprich die Vorhersage der pflanzlichen Leistung beispielsweise. Das ist ein Projekt, DiP-DIAMANT, bei dem es um neue Sequenziertechnologien geht, die wir in den verschiedenen Projekten als Serviceleistung einsetzen. Und zweitens Steuerung der Pflanzenproduktion, bei dem es darum geht, dass man insgesamt digitale Zwillinge nutzt, mit denen man sozusagen am Bildschirm planen kann: Wenn ich irgendeinen Parameter verändere, was hat das für eine Auswirkung auf die gesamte Leistungsfähigkeit des Systems? Das sind Beispiele, wie wir konkret in den DiP-Projekten an der Reduzierung von Treibausgasemissionen arbeiten.
Daneben gibt es aber auch die Situation, dass wir uns in der zweiten Runde, die ab 2027 dann geplant wird, stärker in diese Richtung weiter einsetzen könnten für beispielsweise Verwendung von stabilisierten Stickstoffdüngern. Das wurde alles vorher schon erwähnt, wir haben uns nicht abgesprochen. Auf der einen Seite geht es um die Nitrifikationshemmer und auf der anderen Seite um die Ureaseinhibitoren, also damit Reduktion von Lachgasemissionen und Nitratauswaschung aus den Böden. Der zweite Punkt unten ist die Verwendung von neuen Züchtungstechnologien, New Breeding Techniques, die Genomeditierung mittels CRISPR/Cas. Da gibt es in Brüssel positive Signale (aus meiner Sicht als Pflanzenzüchter) dafür, dass diese Technologien demnächst liberalisiert würden. Dass also CRISPR/Cas-Methoden ähnlich wie beispielsweise Mutationsmethoden zukünftig eingesetzt werden können, so Professor Pillen.
Ich hoffe, dass wir das in vielleicht einem bis zwei Jahren tatsächlich in Europa haben – ähnlich wie in Großbritannien, nach dem Brexit haben die sofort die Situation da liberalisiert –, dass man das auch in Deutschland und in Europa stärker einsetzen kann als eine gezielte Mutagenese, dass man also gezielt einzelne Gene ausschaltet, beispielsweise solche für Anfälligkeit gegen Krankheiten. Mehltau ist ein Beispiel. Ich bin Gersten- und Weizenzüchter, da haben wir das MLO-Gen, das als mutiertes Gen genutzt werden kann. Sie müssen aber, wenn Sie es im Weizen einsetzen wollen, drei parallele Gene (denn der Weizen ist hexaploid, hat drei Genome) ausschalten, und das kriegen Sie nur mit so einer Methode hin, die mit Genomeditierung in kurzer Zeit, innerhalb von einem Jahr, dann die passende Mutante liefern kann.
Also hier ist das Ziel die Bekämpfung von Pflanzenkrankheiten, habe ich Ihnen gerade an einem Beispiel erklärt, und daneben aber auch Trockenstress, Hitzestress, die ich als große Probleme im Rahmen vom Klimawandel sehe. Und ganz zum Schluss: Verwertung von Methan aus der Biogasanlage. Biogasanlage betrieben mit Mais und Wirtschaftsdünger mit dem Ziel: entweder Verstromung von Biogas direkt nach der Produktion oder von Biomethan nach der Reinigung, dass wir dann erdgasäquivalente Leistung haben. Ich bin aber kein Wirtschaftswissenschaftler und kann Ihnen die volkswirtschaftliche Rechnung davon nicht aufmachen. Das kam jetzt eben bei Frau Bittner stärker heraus, dass es nicht nur darum geht, ob es geht, ob es technisch möglich ist, sondern eben auch, wie die Kosten weiter reduziert werden können. Schließlich die Produktion von grünem Harnstoff als eine weitere Methode. Mir ist dabei unklar, wie viel wir sozusagen aus der Biomasseproduktion tatsächlich in diesen Stromkreis reingeben können im Vergleich dazu, dass wir das vorher über Erdgas gemacht haben. Es ist mir klar, dass das bei Weitem nicht ausreicht, aber wir können auf jeden Fall in der Landwirtschaft versuchen, einen Beitrag dazu zu leisten. Sie sehen hier zum Schluss noch ein Bild, dann sehen Sie ein bisschen, wie groß die Gruppe ist. Das ist an der Genbank in Gatersleben, Nordharz, wo wir unsere politische Kickoff-Tagung hatten im März 2025. „Wir sind mittlerweile ‚full speed‘, also der Dampfer ist auf dem Weg, und wir hoffen, dass wir auch in Hinblick auf Treibhausgasemissionsreduktionen ein gutes Stück weiterkommen. Damit bin ich fertig. Vielen Dank“, sagte Professor Pillen.




