
Mit CO₂ die Zukunft gestalten
Neun Schülerinnen der 5. bis 9. Klasse aus den Schulen des Landkreises Anhalt-Bitterfeld und Halle besuchten im Rahmen des Girls’Day am Vormittag des 23. April 2026 die ExperimentierWerkstatt ABI LAB des Forum Rathenau e.V. in Bitterfeld-Wolfen. Unter dem Motto “Mit CO₂ die Zukunft gestalten” experimentierten die Schülerinnen an sieben Stationen mit Chemikalien und lernten das Labor kennen. Diese Aktion lief in Kooperation mit dem Startup CYNiO, einer Ausgründung der TU Bergakademie Freiberg, welches Kohlenstoffdioxid nutzt, um nachhaltig Isocyanate, chemisch hochreaktive Verbindungen, herzustellen.
Was braucht eine Gründerin? Mit dieser Frage der zwei Gründerinnen Marlene Baumhardt und Sophie Riedel von CYNiO startete der Girls’Day für die neun Schülerinnen. Schnell wurde klar, dass einige Eigenschaften erforderlich sind, um erfolgreich ein Startup zu gründen – von Selbstbewusstsein über Durchhaltevermögen bis hin zur finanziellen Unterstützung und Teamfähigkeit. Aber wie sammeln Mädchen Erfahrungen in einem Bereich wie der Chemieindustrie?
Sophie Riedel, Co-Gründerin von CYNiO sagt dazu, dass mit steigendem akademischen Abschluss in den Naturwissenschaften immer weniger Frauen vertreten sind. In Gründerteams – besonders im Chemiebereich – sind Frauen noch seltener. So schildert Sophie Riedel ihre Erfahrungen, dass auf den Pitch-Bühnen bei Gründungs-Events meistens Männer mit ihren Ideen zu sehen sind.
Um dieser Entwicklung frühzeitig entgegenzuwirken und mehr junge Frauen für naturwissenschaftliche Berufe zu begeistern, setzt der Girls’Day bereits in der Schulzeit an. An diesem Tag lernen Mädchen MINT-Berufe kennen, die meistens von Männern dominiert sind, wie beispielsweise die Chemie. Das ABI LAB des Forum Rathenaus öffnete zu diesem Tag seine Türen, um Mädchen die Welt der Chemie näherzubringen.
Dr. Nadine Slomma, Leiterin der ExperimentierWerkstatt des Forum Rathenau e.V. betont, dass der Girls’Day im ABI LAB für das Schülerlabor etwas Besonderes sei, da gezielt Mädchen angesprochen würden. Da sie im MINT-Bereich noch immer unterrepräsentiert sind, sei es ein zentrales Anliegen, junge Mädchen für Naturwissenschaften zu begeistern und sie als potenzielle Fachkräfte für die Industrie zu gewinnen.
Bald darauf fanden sich die Schülerinnen im Chemielabor des ABI LAB wieder – ausgestattet mit Lernheft, Laborkittel und Sicherheitsbrille. Der erste Eindruck: Chemikalienflaschen, Reagenzgläser und Bunsenbrenner. Begleitet von der Leiterin des ABI LAB Dr. Nadine Slomma, Mitarbeiterin Viktoria Herpel und der ehrenamtlichen Mitarbeiterin Ursula Schneider, lernten die Schülerinnen in Dreiergruppen sieben Experimentierstationen kennen. Ob bei der Herstellung von Estern und Parfüm oder Badekugeln oder beim Extrahieren von Chlorophyll – alle Stationen verband, dass Kohlenstoff eine zentrale Rolle spielt.
Bei der Station „Versauerung der Meere“ konnten die Schülerinnen nachweisen, dass eine Erhöhung des Treibstoffgases Kohlenstoffdioxid zu einer Versauerung von Wasser führt und lernten daraufhin den negativen Effekt für Lebewesen im Ozean kennen.
Kohlenstoff ist auch das zentrale Thema, mit dem sich das Forum Rathenau unter dem Leitthema „Kohlenstoff neu denken“ beschäftigt.
Eine weitere Station, geleitet von der Mitarbeiterin Sabine Reising von CYNiO, schloss an diesen Kerngedanken an. Hier konnten die Schülerinnen bei einer Mini-CO₂-Station das Herzstück des chemischen Prozesses von CYNiO kennenlernen. Das Startup CYNiO nutzt Kohlenstoffdioxid bei der Herstellung von Isocyanaten als Rohstoff und ersetzt damit das industriell bisher eingesetzte hochgiftige Gas Phosgen. Damit kann der chemische Prozess umwelt- sowie gesundheitsfreundlicher ablaufen.
Sabine Reising betont, dass die Schülerinnen heute einen echten Prozessschritt begleitet haben: „Sie haben CO₂ unter Druck reagieren lassen und dabei selbst gespürt, wie der Autoklav warm wird.“
Das große Ziel des Tages war es, den Schülerinnen einerseits das chemische Experimentieren näherzubringen und sie andererseits zu ermutigen, ihren eigenen Interessen und Leidenschaften nachzugehen – sei es in der Chemie oder in einem anderen Bereich. Dass dieses Ziel erreicht wurde, zeigte sich in der Rückmeldung einer Schülerin der Sekundarschule Helene Lange in Bitterfeld, die am Ende des Vormittags sagte: „Am Anfang hätte ich nicht gedacht, dass wir so was Tolles hier machen und jetzt nach allem bin ich echt begeistert darüber und das war echt schön.“
Von Silea Reichstein



