Starker Auftakt für Projekt „Zukunftsschmiede Industriekultur“: Fördermittelbescheid feierlich übergeben

Foto: commlab

Mit der feierlichen Übergabe des Fördermittelbescheids für das Projekt „Zukunftsschmiede Industriekultur: Jugend gestaltet Wandel“ begann am Donnerstag, 9. April 2026 in Dessau offiziell eines der ambitioniertesten Bildungs- und Transformationsvorhaben im Kontext des Neuen Europäischen Bauhauses (NEB) in Sachsen-Anhalt. Im Rahmen des Termins würdigte Staatsminister Rainer Robra, Chef der Staatskanzlei des Landes Sachsen-Anhalt, das Verbundprojekt und überreichte den Zuwendungsbescheid. 

Mit der „Zukunftsschmiede Industriekultur“ entsteht ein Projekt, das junge Menschen ab Klassenstufe 7 für die Zukunft der Region begeistern will – und zwar nicht abstrakt, sondern konkret, sinnlich und praxisnah. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Industriekultur, nachhaltige Innovation, digitale Technologien und Berufsorientierung so miteinander verknüpft werden können, dass daraus echte Perspektiven für Jugendliche im Landkreis Anhalt-Bitterfeld und darüber hinaus entstehen. Die Projektidee folgt ausdrücklich den Leitprinzipien des Neuen Europäischen Bauhauses – sustainable, beautiful, together – und soll dazu beitragen, die Attraktivität des Mitteldeutschen Reviers im Strukturwandel zu stärken.   

Das Projekt wird gemeinsam vom Bildungszentrum Wolfen-Bitterfeld e. V. und dem Forum Rathenau e. V. getragen. Beide Partner erhalten für die Umsetzung ihrer Teilvorhaben Fördermittel aus dem JTF/NEB-Programm der Investitionsbank Sachsen-Anhalt.

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Geplant sind fünf ineinandergreifende Module: mobile Pop-up-Lernstationen, ein Zukunftsmobil mit VR- und Medientechnik, Kreativwerkstätten und Co-Creation-Formate, industriekulturelle Erlebnisräume und Exkursionen, eine interaktive Mitmach-Ausstellung zum Werkstoff Aluminium sowie ein öffentliches Abschluss- und Transferformat, in dem Jugendliche ihre Zukunftsbilder präsentieren. Das Projekt verbindet damit Berufsorientierung, kulturelle Identität, Materialwissen, Klimabewusstsein und medienpädagogische Innovation zu einem neuen Bildungsansatz mit Modellcharakter. Markus Hampel, Geschäftsführer des Bildungszentrum Wolfen-Bitterfeld e. V., erklärte: „Mit der Zukunftsschmiede Industriekultur schaffen wir einen Bildungsraum, der junge Menschen nicht belehrt, sondern begeistert. Wir wollen Berufsorientierung neu denken: näher an der Lebenswelt, näher an den realen Transformationsprozessen der Region und näher an den Talenten der Jugendlichen. Dieses Projekt ist ein starkes Signal dafür, dass Zukunft im Mitteldeutschen Revier nicht irgendwo entsteht – sondern genau hier.“

Ein besonderer Fokus liegt auf der mobilen und aufsuchenden Arbeit: Die Angebote sollen direkt an Schulen, in Jugendzentren und an öffentlichen Orten eingesetzt werden, um auch jene Jugendlichen zu erreichen, die von klassischer Berufsorientierung oft nicht ausreichend angesprochen werden. Gleichzeitig werden regionale Lernorte der Industriekultur aktiviert und in ein Zukunftsnarrativ überführt, das nicht rückwärtsgewandt ist, sondern Mut zur Mitgestaltung macht. Ziel ist es, Jugendlichen die Region als Ort der Möglichkeiten zu zeigen – als Raum für Technik, Kreativität, Nachhaltigkeit und berufliche Entwicklung. 

Dr. Nadine Slomma, verantwortlich für das ABI LAB beim Forum Rathenau e. V., sagte: „Die Zukunftsschmiede Industriekultur verbindet das, was viel zu oft getrennt gedacht wird: historischer Hintergrund, naturwissenschaftliche Neugier, kreative Gestaltung und gesellschaftliche Verantwortung. Gerade junge Menschen brauchen heute keine abstrakten Zukunftsparolen, sondern Erfahrungsräume, in denen sie selbst entdecken können, was Wandel bedeutet – und welche Rolle sie darin spielen können.“

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Inhaltlich knüpft das Vorhaben eng an die industrielle Geschichte und Gegenwart der Region an. Ein Beispiel ist die geplante Mitmach-Ausstellung „Aluminium – von Bitterfeld in die Welt“, die den Werkstoff Aluminium als Symbol für Erfindungskraft, Kreislaufwirtschaft und nachhaltige Materialinnovationen begreifbar machen soll. Auch digitale Zukunftsbilder, virtuelle Lernräume und kreative Werkstattformate sind Teil des Konzepts. So entsteht ein Bildungsprojekt, das nicht nur Wissen vermittelt, sondern Haltung, Vorstellungskraft und Selbstwirksamkeit stärkt. 

Sándor Mohácsi, Gesamtprojektleiter der „Zukunftsschmiede Industriekultur“, betonte: „Dieses Projekt ist weit mehr als ein Bildungsangebot. Es ist eine Einladung an eine ganze Generation, die Region Bitterfeld-Wolfen mit neuen Augen zu sehen: als Zukunftsraum, als Möglichkeitsraum, als Ort, an dem Innovation, Industriekultur und Nachhaltigkeit zusammenfinden. Wenn Jugendliche beginnen, sich selbst als Gestalterinnen und Gestalter von Wandel zu verstehen, dann entfaltet dieses Projekt seine eigentliche Kraft.“

Die Partner verstehen die öffentliche Übergabe des Fördermittelbescheids am 9. April 2026 als bewusst gesetzten Auftakt: als Startpunkt für ein Vorhaben, das in den kommenden Monaten sichtbar wachsen und Schulen, Jugendliche, Unternehmen, Kultureinrichtungen und zivilgesellschaftliche Akteure in der Region miteinander ins Gespräch bringen soll. Die „Zukunftsschmiede Industriekultur“ will damit nicht nur Berufsorientierung modernisieren, sondern auch ein neues Bild vom Strukturwandel in Sachsen-Anhalt prägen – eines, das Zuversicht stiftet, Beteiligung ermöglicht und Zukunft konkret erfahrbar macht. 

Staatsminister und Minister für Kultur in Sachsen-Anhalt Rainer Robra sagte: „Das Projekt ‚Zukunftsschmiede Industriekultur‘ erinnert nicht nur an die große Industriegeschichte unseres Landes. Es wirft auch ein Schlaglicht auf die immensen Transformationskräfte, die von Sachsen-Anhalt als Land der Moderne bis heute ausgehen. Schon das Bauhaus war Motor des gesellschaftlichen Wandels und über einhundert Jahre später knüpft das ‚Neue Europäische Bauhaus‘ an dessen Ideen von ökologischem und sozialen Wandel an. Damals wie heute gestalten junge Menschen von Sachsen-Anhalt aus die Welt, in der sie in Zukunft leben möchten: kreativ, nachhaltig, mutig und selbstbewusst. Das unterstützen wir als Land mit Entschlossenheit.“

Das Projekt wird gemeinsam vom Bildungszentrum Wolfen-Bitterfeld e. V. und dem Forum Rathenau e. V. getragen. Das Verbundprojekt „Zukunftsschmiede Industriekultur: Jugend gestaltet Wandel“ wird von der Europäischen Union im Rahmen des Just Transition Fund (JTF) gefördert. Das gesamte Verbundvorhaben verfügt damit über ein Fördervolumen von bis zu 1.292.641,70 Euro. Der Bewilligungszeitraum läuft vom 1. März 2026 bis zum 30. November 2027.  

Hintergrund zum Projekt

Das Verbundprojekt „Zukunftsschmiede Industriekultur: Jugend gestaltet Wandel“ wird von der Europäischen Union im Rahmen des Just Transition Fund (JTF) gefördert. Ziel des Programms ist es, Menschen im Mitteldeutschen Revier dabei zu unterstützen, die sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Herausforderungen des Wandels hin zu einer klimaneutralen Wirtschaft zu bewältigen und dabei neue, nachhaltige und ästhetisch überzeugende Zukunftsperspektiven zu entwickeln.  

Projektträger und Verbundpartner: Bildungszentrum Wolfen-Bitterfeld e. V. und Forum Rathenau e. V. 

Förderzeitraum: 1. März 2026 bis 30. November 2027  

Fördervolumen: Bildungszentrum Wolfen-Bitterfeld e. V.: bis zu 870.516,50 Euro, Forum Rathenau e. V.: bis zu 422.125,20 Euro, Gesamt: bis zu 1.292.641,70 Euro  

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