
Bewohnbarkeit der Erde – Auf welchem Boden stehen wir?
Bitterfeld-Wolfen/Gräfenhainichen. Zum Thema „Bewohnbarkeit der Erde – Auf welchem Boden stehen wir?“ kamen am Donnerstag 18. Juni 2026 zahlreiche Interessierte im Industriedenkmal Kraftwerk Zschornewitz in Gräfenhainichen zusammen. Auf Einladung des Forum Rathenau und des Institut français Sachsen-Anhalt wurde die Nacht der Ideen als innovatives und interdisziplinäres Format gestaltet, das Wissenschaft, Kunst, Gesellschaft und zivilgesellschaftliches Engagement miteinander verbindet.
Mitschnitt der Impulsvorträge, Performance und Diskussion
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenIn Workshops, Debatten, Vorträgen und künstlerischen Formaten wurden drängende Fragen unserer Zeit verhandelt: Wie können wir unseren Planeten bewohnen, ohne die Lebensgrundlagen aller weiter zu gefährden? Welche Formen des Zusammenlebens, der Verantwortung und der Koexistenz sind angesichts ökologischer Krisen notwendig? Die Formate richteten sich sowohl an ein Fachpublikum als auch an die breite Öffentlichkeit.
Deutlich wurde: Bewohnbarkeit ist kein gegebener Zustand, sondern ein fragiles Gleichgewicht, das durch menschliches Handeln fortwährend verändert wird. Stoffe, Wasser, Böden und Lebewesen stehen in dynamischen Kreisläufen miteinander in Beziehung. Umso dringlicher stellt sich die Frage, wie ein nachhaltiges Zusammenleben mit der Erde und ihren vielfältigen Lebensformen gestaltet werden kann.

„Die Zukunft ist nicht geschrieben. Sie ist das, was wir daraus machen“, sagte der Bürgermeister von Gräfenhainichen und Vorstand des Forum Rathenau Enrico Schilling zur Einführung. Ortsbürgermeister Raik Busse betonte die Wichtigkeit des gesellschaftlichen Zusammenhalts. Es sei schön, an einem so bedeutenden Ort, diesem wunderschönen Kulturensemble, über vielfältige Perspektiven zu diskutieren.
„Ich habe mir gewünscht, dass in diese Räume niemals Stille einkehrt“, sagte Martina Schön, Kraftwerksseniorin und stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Forum Rathenau e.V., in der Schaltwarte des Industriedenkmals bei der Begrüßung der Gäste. Das sei Dank des Einsatzes des Forum Rathenau, der Kraftwerkssenior:innen und der Stadt Gräfenhainichen nun gelungen. Julie Burgheim, Leiterin des Institut français Sachsen-Anhalt, freute sich, dass an diesem außergewöhnlichen Ort, der für tiefgreifende Veränderungen steht, durch die freie Zirkulation von Wissen und Ideen unterschiedlicher Perspektiven so ein bereichernder Austausch stattfinden kann, der neue Wege eröffnet.

In der Diskussion wurde die Bewohnbarkeit der Erde aus unterschiedlichen wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Perspektiven beleuchtet. In seinem einführenden Beitrag sagte Professor Dr. Jérome Gaillardet, Professor für Geowissenschaften am Institut de physique du globe de Paris (IPGP) und Ko-Initiator der Forschungsgruppe “Bewohnbarkeit der Erde” in Frankreich, dass es mehrere Kohlenstoffkreisläufe gibt. „Alle chemischen Substanzen bewegen sich.“ So wie der Organismus sich jeden Tag erneuert, sind auch Berge nicht feststehend. Gesteine bilden neue Berge und es entstehen andere terrestrische Elemente. Der Mensch stört diese Kreisläufe allerdings. „Wir haben die Kontrolle über das CO₂ verloren“, sagte er. Wir verbrennen Braunkohle, Wälder; die Erde kommt nicht mehr hinterher. Die Menschen, wir, müssten daher mit der Erde koexistieren. Die Bewohnbarkeit hat dabei auch etwas mit dem Lokalen zu tun, denn bei den Ressourcen wie Wasser und Erde gibt es lokale Besonderheiten.
Dr. Janine Hauer Sozial- und Kulturanthropologin sowie Ethnologin an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg betonte in ihrem Impuls, dass die Grenzen der Bewohnbarkeit ständig verschoben werden. In ihrer Forschung befasst sie sich unter anderem mit modernen Deponien in Sachsen-Anhalt. Sie hob hervor, wie wichtig es ist, gesellschaftliche Probleme gemeinsam zu identifizieren und zu diskutieren — insbesondere mit Blick auf die anstehenden Veränderungen im Umgang mit Abfällen. „Entsorgung wird ermöglicht durch Fürsorge“, sagte sie. „Denn die Schadstoffe dauerhaft in Schach zu halten, erfordert kontinuierliche Sorgearbeit.“ Wie sich beim Runden Tisch „Wir für Sachsen-Anhalt“ gezeigt hat, treffen dabei ganz unterschiedliche Interessen aufeinander.
Sehr unterhaltsam rollte Frédéric Ferrer in seinen Auszügen aus dem „Atlas des Anthropozän“ – Unkonventionelle Theater-Vorträge zu den großen Klimafragen unserer Zeit – drängende Fragen anhand von Kaninchen und Stechmücken auf. „Das Kaninchen kann nicht kontrolliert werden“, sagte er: „Es polarisiert.“ Die einen sehen es als Schädling, die anderen als schützenswerte Kreatur. Dabei entkommt das Kaninchen und stellt die Welt auf den Kopf – eine These, die Ferrer mit zahlreichen konkreten Beispielen und viel Humor untermauerte.

In der von Elisabeth Weydt, Journalistin, moderierten Diskussion zur Bewohnbarkeit der Erde erläuterte der Leiter der Mission Val de Loire Weltkulturerbe Bruno Marmiroli, dass wir in einer Landschaft leben, die der Fluss geprägt hat. Eine harmonische, faire Beziehung zwischen dem Menschen und dem Fluss sei daher sehr wichtig. Oft übernehmen wir die Erzählungen, so Marmiroli. „Wir müssen damit aufhören und uns der Welt mehr zuwenden“, sagte er.
Design Forscherin Lynn Harles fragte, was wir von der Natur lernen können, beispielsweise in Bezug auf Resilienz, wenn man davon ausgehe, dass im Anthropozän der Mensch die gestaltende Kraft der Natur ablöse. „Wir können die Perspektive wechseln“, sagte sie. „Alles Wissen ist schon da. Wir müssen nur genauer hinschauen.“ Was wäre, wenn die Reuss in Luzern eigene Rechte hätte?
Dass wir mehr und intensiver über Probleme diskutieren müssen, fand Dr. Janine Hauer. Bürgerinitiativen und Deponiebetreiber beispielsweise hätten unterschiedliche Probleme, die sie lösten. „Was ist das Problem, das wir als Gesellschaft lösen?“, fragte sie. Die fundamentale Transformation bringt auch in Bezug auf die Abfälle viele Veränderungen mit sich. „Es wäre gut, jetzt schon darüber nachzudenken, was dann da das Problem sein wird“, sagte Dr. Janine Hauer.
Bei den Mooren beginnt man zu sagen: Jetzt ist Schluss, so Samuel Knoblauch vom Greifswald Moor Centrum. Doch für viele Landwirte sind die entwässerten Moore ihre Lebensgrundlage. Wie schafft man hier die Transformation? Paludikultur, die land- und forstwirtschaftliche Nutzung nasser Moorflächen, sei da von Bedeutung. Wichtig ist allerdings, die Menschen von vor Ort mitzunehmen, denn sie haben das lokale Wissen.

Prof. Dr. Jérôme Gaillardet unterstrich, dass das Wissen über die Erde noch immer begrenzt ist. Er forderte mehr Bescheidenheit. Man müsse weiter lernen, wie die Erde organisiert sei. „Die Welt wird sich stark verändern“, sagte er. Es sei, als hätte man einen Kranken vor sich. Und unsere Gesundheit hänge von der der Erde ab. Schon in den Schulen könnte man beginnen, anders über die Erde zu reden, sagte er. Es brauche eine neue Wissenschaft, die sich nur der Erde widme.

Das spannende Gespräch wurde unterbrochen von riesigen Maulwürfen, die durchs Publikum gingen und aufs Podium kamen. „Folgt den Maulwürfen“, sagte die Moderatorin, und der Weg führte durchs Kraftwerk in die Eingangshalle, in der die Maulwürfe, Les Taupes von Philippe Quesne / Vivarium Studio ein atemberaubendes Konzert gaben. Farbnebel, elektrisierende Melodien, hypnotische Theremin-Klänge und raue Punkstimmen begleitet vom Schlagzeug, ließen das Kraftwerk als einen anderen, phantastischen Ort erscheinen. Die Maulwürfe warfen sich auf den Boden, tanzten, machten Selfies mit den Zuschauer:innen und tapsten dann wieder auf die Bühne, spielten Bass und Gitarre, gaben raue Töne von sich und sorgten für einen mitreißenden Ausklang eines Tages, der viele neue Ideen, spannenden Austausch, neue Perspektiven gebracht und sehr viel Spaß gemacht hat.
Die Kraftwerkssenior:innen waren mit sehr viel Engagement und einem wunderbaren Kuchenbuffet dabei.


Bereits am Nachmittag konnten sich die Besucher:innen in Workshops aktiv mit Fragen des Umwelt- und Naturschutzes auseinandersetzen. Prof. Dr. François Buscot, der Pflanzenbiologe und Ökologe a.D. am UFZ – Helmholtz Zentrum für Umweltforschung / Universität Leipzig ist und die Designforscherin Lynn Harles zeigten, wie die Renaturierung industrieller Flächen so gestaltet werden kann, dass sie Menschen ebenso wie nicht-menschlichen Lebewesen eine lebenswerte Umgebung bietet.
Im Workshop „Gut geerdet: Wie treten wir in Beziehung?“ machten Politikwissenschaftlerin Dr. Nina-Kathrin Wienkoop und Embodiment-Praktikerin Emily Poel erfahrbar, dass Bewohnen mehr bedeutet, als einen Ort zu nutzen. Es heißt, in Beziehung zu treten – zu den Lebewesen um uns herum und einem Ort mit seiner Geschichte und seinen Veränderungen.
Wie Flüsse eigene Rechte bekommen könnten, erläuterte Bruno Marmiroli anhand eines Gesetzesvorschlags. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Flüsse eine eigene Stimme in politischen Entscheidungsprozessen erhalten könnten. In seinem Workshop “Fließende Rechte – Impulse für die Rechte der Flüsse – Von der Loire zur Elbe“ warf Bruno Marmiroli in einem diskursiven Format die Frage auf, wie das Konzept eigener Rechte für einen Fluss in einen anderen rechtlichen und kulturellen Kontext übertragbar ist. Anhand von spekulativen Gesetzen hinsichtlich der Rechte der Loire wurde gemeinsam gelesen, diskutiert und mit Blick auf die Elbe weitergedacht.


Ergänzt wurde das Programm durch eine frankophone Wanderlesestunde sowie eine Experimentierstation des ABI LAB vom Forum Rathenau, an der Kinder, Jugendliche und Erwachsene chemisch-analytische Labortechniken ausprobieren konnten. Heike Heinemann und Victoria Herpel vom ABI LAB hatten drei Experimente im Gepäck, um die Welt der Chemie und Physik zu veranschaulichen. So gab es das Angebot, Gips zu bearbeiten – vom Formen über das Trocknen bis zum Anmalen –, mit Knete als Leiter von Sonnenenergie zu experimentieren und den pH-Wert von Leitungswasser, Meerwasser und Regenwasser zu testen.



Auch internationale Perspektiven, etwa aus Polen, wurden durch Film und fotografische Dokumentationen eingebracht. Auszüge aus dem Dokumentarfilm „River Sisters“ –von Cecylia Malik und fotografische Dokumentation der Aktion „River Sisters“ sowie der Performance „Matki Polki na Wyrębie” [Polnische Mütter beim Kahlschlag] zeigten auch eine polnische Perspektive.
Cecylia Malik macht die Flüsse selbst zu Akteurinnen des Protests. Ausgangspunkt ist der Widerstand gegen den geplanten Großstaudamm in Siarzewo an der Weichsel. Gemeinsam mit anderen Frauen gibt Malik den bedrohten Flusslandschaften eine Stimme. Ihr Engagement richtet sich gegen politische Interessen, Verwaltungsentscheidungen und die mächtige Wasserbau-Lobby — und setzt sich ein für lebendige Ökosysteme, intakte Landschaften und den Schutz von sauberem Süßwasser, einer der kostbarsten Ressourcen unserer Zeit.













































Programm
Ab 16 Uhr
Kaffee und Kuchen von den Kraftwerkssenior:innen
Ab 16 Uhr

Foto: Tomasz Wiech
„River Sisters“ – Auszüge aus dem Dokumentarfilm von Cecylia Malik und fotografische Dokumentation der Aktion „River Sisters“ sowie der Performance „Matki Polki na Wyrębie” [Polnische Mütter beim Kahlschlag].
Cecylia Malik macht die Flüsse selbst zu Akteurinnen des Protests. Ausgangspunkt ist der Widerstand gegen den geplanten Großstaudamm in Siarzewo an der Weichsel. Doch bald stehen auch Dunajec, Soła, Pilica und Raba im Zentrum einer künstlerischen und ökologischen Bewegung. Gemeinsam mit anderen Frauen gibt Malik den bedrohten Flusslandschaften eine Stimme. Ihr Engagement richtet sich gegen politische Interessen, Verwaltungsentscheidungen und die mächtige Wasserbau-Lobby — und setzt sich ein für lebendige Ökosysteme, intakte Landschaften und den Schutz von sauberem Süßwasser, einer der kostbarsten Ressourcen unserer Zeit.
[Mitwirkende]
Regie und Drehbuch von Cecylia Malik
Schnitt und Redaktion: Rafał Małecki
Sound: Krzysztof Ridan
Farbkorrektur: Michał Żołnowski.
Bilder: Piotr Dziurdzia, Cecylia Malik, Magdalena Mosiewicz, Joanna Urbaniec, Tomasz Gotfryd, Stanisław Barański, Bartolomeo Koczenasz.
Musik: Sutari von dem Album „Siostry Rzeki“ und Michał Zygmunt
Tanz: Ula Dziurdzia
Produktion: Cecylia Malik
Angebote für Kinder und Jugendliche
16.30 Uhr
Frankophone Wanderlesestunde
Für Kinder ab 3 Jahre (Französischkenntnisse sind nicht nötig)
16 – 17:30 Uhr
Stand mit Experimentierstationen
Analysen im Umweltbereich von der ExperimentierWerkstatt des Forum Rathenau für Kinder, Jugendliche und Erwachsene.
Jede:r Interessierte hat Gelegenheit, sich im Experimentieren auszuprobieren. Dabei lernt man nicht nur chemisch-analytische Labortechniken kennen, sondern wir gehen gemeinsam in den Austausch, was die ermittelten Ergebnisse bedeuten und was das für Folgen für unsere Umwelt hat.
Für Kinder, Jugendliche und Erwachsene
Planetares Zirkeltraining
Das Planetare Zirkeltraining gliedert sich in drei Workshop-Stationen, zu drei Themen rund um die Bewohnbarkeit der Erde.
Alle 30 Minuten ist ein Wechsel von einer Station zur nächsten möglich. Wer lieber bleiben möchte, kann auch bleiben und ein Thema vertiefen.
16 – 17.30 Uhr
Workshop 1
Fließende Rechte – Impulse für die Rechte der Flüsse – Von der Loire zur Elbe
Ab 16 Jahren und Erwachsene
Kartenspiel „Die Gesetze, die kommen“ mit Bruno Marmiroli, Leiter der Mission Val de Loire Weltkulturerbe
Wasser ist lebenswichtig für alles Leben auf der Erde, doch findet die Stimme des Wassers bei politischen Entscheidungen nur selten Gehör. Flüsse sind mehr als Landschaft. …
[Beschreibung weiterlesen]
Sie prägen die Lebensräume, in denen wir leben. Sie verbinden Böden, Wasser, Pflanzen, Tiere und menschliche Aktivitäten und überschreiten zugleich politische Grenzen. In Zeiten ökologischer Veränderungen werden sie zu Orten der Spannung, aber auch zu Räumen neuer Verbindung.
Der Workshop widmet sich der Frage, wie ein im Kontext der Loire entwickelter Vorschlag – die Anerkennung eines Flusses bzw. seines Einzugsgebiets als natürliche Rechtsperson – in einen anderen territorialen, rechtlichen und kulturellen Zusammenhang übertragen werden kann. Ausgangspunkt sind Karten zu spekulativen Gesetzen in Hinsicht auf die Rechte der Loire, die in deutscher Übersetzung gemeinsam gelesen, diskutiert und im Hinblick auf die Elbe weitergedacht werden. Im Mittelpunkt stehen Fragen der rechtlichen Übertragbarkeit und der gemeinsamen Erarbeitung möglicher Anpassungen ins deutsche Recht.
Workshop 2
Gut geerdet: Wie treten wir in Beziehung?
Ab 12 Jahren und Erwachsene
Mit Dr. Nina-Kathrin Wienkoop, die promovierte Politikwissenschaftlerin und Ethnologin sowie Autorin, Trainerin, Beraterin und Dozentin im Bereich der politischen Bildung ist und Emily Poel, die Embodiment-Praktikerin, Pädagogin und Beraterin ist. Seit über fünfzehn Jahren entwickelt sie körperbasierte Methoden, mit denen untersucht werden kann, wie Lernen, Denken, Kreativität und Handlungsfähigkeit im Körper verankert sind.
Bewohnen bedeutet mehr, als einen Ort zu nutzen. Es heißt, in Beziehung zu treten – zu den Lebewesen um uns herum und einem Ort mit seiner Geschichte und seinen Veränderungen. …
[Beschreibung weiterlesen]
Diese lassen sich nicht nur mit dem Kopf erfassen, sondern unmittelbar körperlich erleben. Die Art und Weise, wie wir stehen, fühlen, sprechen und atmen, prägt unser Denken und Handeln in der Welt. Kurze inhaltliche Impulse zu aktueller Demokratie- und Klimaforschung setzen den Rahmen. Der Fokus liegt jedoch auf dem eigenen Erleben: Auf welchem Boden stehen wir hier? Böden bleiben im Alltag oft unsichtbar, obwohl sie eine Grundlage unseres Lebens sind.
Was gibt Halt in unsicheren Zeiten? Und wie kommen wir in die Verbindung mit der Erde von Zschornewitz – und miteinander?
In dem Workshop wird untersucht, wie emotionale Zustände sich körperlich manifestieren – und in Energie, Klarheit und Absicht umwandeln lassen. Durch Übungen und Perspektivwechsel erfahren die Teilnehmenden, dass sie nicht nur Beobachter:innen des politischen Lebens sind, sondern aktive Mitgestalter:innen, die sich in Resonanz mit sich selbst, anderen und der Umwelt in der Welt bewegen. Das Gefühl von Verbindung und Verantwortung geht über den Workshop hinaus.
Workshop 3
Koexistenz: Wer lebt hier mit wem?
Ab 12 Jahren und Erwachsene
Mit Professor François Buscot, der Pflanzenbiologe und Ökologe a.D. am UFZ – Helmholtz Zentrum für Umweltforschung / Universität Leipzig ist, sowie Gründungsdirektor des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) und Designforscherin Lynn Harles die an der Schnittstelle von Naturwissenschaft, Design und Umweltschutzarbeitet. Sie entwickelt designbasierte Methoden, um Menschen ins Gespräch zu bringen zu wünschenswerten sozio-ökologischen Lösungen.
Wie kann Renaturierung von industriellen Flächen so gestaltet werden, dass sie möglichst Vielen – auch nicht-menschlichen Lebewesen – eine gesunde und lebenswerte Umgebung schafft? Wo gibt es vor Ort Schnittmengen und Begegnungen? Welchem Freiraum wollen wir der Natur überlassen? Und für wen ist Zschornewitz ein Lebensraum? …
[Beschreibung weiterlesen]
Bewohnbarkeit ist kein fester Zustand, sondern etwas, das aus Beziehungen entsteht. In diesem Workshop wird untersucht, wie Koexistenz vor Ort möglich wird – zwischen Menschen und der regionalen Artenvielfalt zwischen alten und neuen Nutzungen.
Anhand von Proben und kurzen Fragebögen untersuchen wir das Gelände rund um das Kraftwerk Zschornewitz: Wer lebt hier vor Ort? Moos, Pilze, Gräser, Vögel oder Insekten: Der Fokus der Erkundung liegt auf nicht-menschlichen Bewohner:innen, die wir im Alltag allzu oft übersehen. Viele Beziehungen sind für das menschliche Auge unsichtbar, etwa die Rolle von Pilzen. Wie können wir von Pilzen lernen? Und wie kann ein stark veränderter Ort wieder zu einem gelebten und geteilten Lebensraum werden? Hier wird mit den Händen gedacht.
Lynn Harles ist Designforscherin und arbeitet an der Schnittstelle von Naturwissenschaft, Design und Umweltschutz. Sie entwickelt designbasierte Methoden, um Menschen ins Gespräch zu bringen zu wünschenswerten sozio-ökologischen Lösungen
Abendprogramm mit Dialogformaten und Musik
17.30 Uhr
Begrüßung
- Martina Schön, Kraftwerksseniorin und Vorstand des Forum Rathenau
- Julie Burgheim, Leiterin des Institut français Sachsen-Anhalt
- Enrico Schilling, Bürgermeister von Gräfenhainichen, Vorstand des Forum Rathenau
- Ortsbürgermeister Zschornewitz Raik Busse
Moderation: Elisabeth Weydt
Elisabeth Weydt ist Journalistin und arbeitet als freie Reporterin unter anderem für die ARD. Als Autorin wirkt sie in multimedialen Projekten mit und hat das konstruktive Medienhaus Radio Utopistan e. V. mitgegründet. Ihre oft internationalen, preisgekrönten Geschichten befassen sich mit Lieferketten, unterschiedlichen Weltbildern und der transformativen Kraft der Zivilgesellschaft.
17.45 Uhr
Impulse / Schlaglichter als thematische Einordnung
Prof. Dr. Jérome Gaillardet, Geochemiker, Professor für Geowissenschaften am Institut de physique du globe de Paris (IPGP), Mitglied des Institut universitaire de France, Ko-Initiator der Forschungsgruppe “Bewohnbarkeit der Erde” in Frankreich
Dr. Janine Hauer, Sozial- und Kulturanthropologin / Ethnologin an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
18.10 Uhr

Auszüge aus dem „Atlas des Anthropozän“ – Unkonventionelle Theater-Vorträge zu den großen Klimafragen unserer Zeit mit und von Frédéric Ferrer für alle ab 13 Jahren
Allein auf der Bühne und nur von einer PowerPoint-Präsentation begleitet, widmet sich Frédéric Ferrer mit Humor, Scharfsinn und Fantasie einem der zentralen Themen unserer Gegenwart: dem Klimawandel.
In seinem Zyklus theatraler Kartographien, „Atlas des Anthropozän“, untersucht der Regisseur, Schauspieler und ausgebildete Geograph erstaunliche, manchmal absurd wirkende Phänomene, die auf unerwartete Weise mit den Veränderungen unseres Planeten verbunden sind.
Mit einer Mischung aus wissenschaftlicher Neugier, Selbstironie und Spielfreude verwandelt er die klassische Konferenz in einen lebendigen Theaterabend: informativ, überraschend und zugleich höchst unterhaltsam. …
[Beschreibung weiterlesen]
„Wenn der Vektor seine Grenzen verlässt“ – Kartografie 3: Der Tigermoskito
Die Tigermücke, Autobahnraststätten, Dengue und Chikungunya (Beitrag zu einer Geographie der Epidemien)
Von und mit Frédéric Ferrer
Produktion: Compagnie Vertical Détour / Koproduktion: Domaine d’O, Départementales Zentrum für Kunst und Kultur, Hérault / Montpellier
„Das Problem Kaninchen“ – Kartografie 7
Oder wie das Kaninchen wirklich sehr interessante Fragen aufwirft, um eine ganze Reihe von Dingen in der heutigen Welt zu verstehen: Homo sapiens, Ökologie, Virus und Klammer.
Von und mit Frédéric Ferrer (mit der Mitarbeit von Hélène Schwartz, um zu recherchieren und wie ein Kaninchen zu denken)
Produktion: Compagnie Vertical Détour / Koproduktion: Maison des Métallos, Paris; Mit Unterstützung des Départements Seine-et-Marne
Frédéric Ferrer ist Autor, Schauspieler, Regisseur und Geograph. In seinen Arbeiten verbindet er Theater, Wissenschaft, Feldforschung und Performance, um die großen Umbrüche unserer Zeit zu befragen — vom Klimawandel über ökologische Krisen bis zu den Grenzen unserer Welt. Seit 2010 entwickelt er den „Atlas des Anthropozäns“, einen Zyklus theatraler Kartographien zwischen Vortrag und Performance. Seine Stücke wurden in zahlreichen Theatern und Festivals in Frankreich und international gezeigt.
Kleiner Umtrunk und Häppchen, ab 19 Uhr ist das Buffet eröffnet
19.00 Uhr
Pause
19.30 Uhr
Diskussion zu Bewohnbarkeit der Erde mit zwei Diskussionsblöcken à 40 Minuten
Block 1 – Wie machen Wissenschaft, Kunst und Design planetare Veränderungen erfahrbar? …
[Beschreibung weiterlesen]
Leben ist nur in einer dünnen Schicht der Erde möglich – dort, wo Böden, Wasser, Atmosphäre und Lebewesen in komplexen Beziehungen miteinander verbunden sind. Diese verletzliche „Kritische Zone“ bildet die gemeinsame Grundlage aller Lebensformen.
Was verändert sich, wenn wir die Erde nicht länger als Ressource oder Hintergrund betrachten, sondern als ein begrenztes und lebendiges Milieu, von dem wir selbst abhängig sind? Welche Formen der Aufmerksamkeit, der Koexistenz und des Zusammenlebens entstehen daraus? Nicht mehr Eroberung und Kontrolle stehen dann im Zentrum, sondern die Frage: Wie lernen wir, innerhalb planetarer Grenzen zu leben – und mit anderen Lebensformen eine gemeinsame Welt zu teilen?
Professor Dr. Jérome Gaillardet, Geochemiker, Professor für Geowissenschaften am Institut de physique du globe de Paris (IPGP), Mitglied des Institut universitaire de France, Ko-Initiator der Forschungsgruppe “Bewohnbarkeit der Erde” in Frankreich
Dr. Janine Hauer, Sozial- und Kulturanthropologin / Ethnologin an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Samuel Knoblauch, Wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Projekt Paludi-Mecklenburg-Vorpommern. Er arbeitet am Institut für Botanik und Landschaftsökologie an der Universität Greifswald. Er ist Teil des Greifswald Moor Centrum, das sich als Schnittstelle zwischen Wissenschaft, Politik und Praxis Vordenker und Gestalter in allen Moorfragen – lokal und weltweit – versteht.
Block 2 – Wie können sich menschliche Praktiken, lebendige Milieus und materielle Kreisläufe neu zusammendenken lassen? …
[Beschreibung weiterlesen]
Bewohnen bedeutet mehr, als einen Ort zu nutzen. Es heißt, in Beziehung zu treten – zu Menschen, Materialien, Landschaften und den Rhythmen der Erde. Die Frage der Bewohnbarkeit stellt sich dabei immer auf mehreren Ebenen zugleich: lokal und global, alltäglich und planetarisch.
Im Zentrum steht die Frage, wie sich menschliche Praktiken, lebendige Milieus und materielle Kreisläufe neu zusammendenken lassen. Wie können Ressourcen vor Ort wieder nutzbar gemacht und lokale Kreisläufe gestärkt werden? Wie entstehen daraus neue Formen von Resilienz und gemeinschaftlichem Leben?
Im Austausch zwischen unterschiedlichen territorialen Kontexten – insbesondere zwischen Frankreich und Deutschland – treten verschiedene Formen geprägter Landschaften in den Blick: Flusslandschaften, landwirtschaftlich genutzte Räume oder durch Energiegewinnung veränderte Regionen. Gerade dieser vergleichende Blick eröffnet neue Perspektiven darauf, wie Bewohnbarkeit unter sich wandelnden Bedingungen gestaltet werden kann.
Bruno Marmiroli, Leiter der Mission Val de Loire Weltkulturerbe
Lynn Harles, Design Forscherin, Kuratorin und Autorin an der Schnittstelle von Design, Architektur und Wissenschaft. Sie forscht aktuell im Cluster „Transformation Design“ an der Hochschule Luzern (Schweiz) und lehrt als Dozentin an der Kunstuniversität Linz (Österreich). Darüber hinaus ist sie Gründerin der „Nature Rights Policy Design Labs“.
Konzert ab 21 Uhr
Ab 21 Uhr

Les Taupes (Maulwürfe) von Philippe Quesne / Vivarium Studio
Die Gruppe der riesigen Maulwürfe, entstanden im Rahmen von La Nuit des Taupes / Welcome to Caveland von Philippe Quesne, taucht regelmäßig aus dem Untergrund auf, um weltweit Konzerte und Performances zu geben (Frankreich, Belgien, Spanien, Schweiz, USA, Chile, Norwegen usw.). Ihr troglodytisches und zugleich traumhaftes Universum nimmt uns mit auf eine alternative Reise – voller elektrisierender Melodien, hypnotischer Theremin-Klänge, rauer Punkstimmen, getragen von der Energie des Schlagzeugers.
[Mitwirkende]
Konzept:
Philippe Quesne / Vivarium Studio mit der Gruppe Maulwürfe
Performance / Musik:
Léo Gobin (Gitarre), Sébastien Jacobs (Bass), Thomas Suire (Theremin / Synthesizer / DJ), Erwan Ha Kyoon Larcher oder Paul Ramon (Schlagzeug)
Produktion: Vivarium Studio
Koproduktion: Nanterre-Amandiers, Kunstenfestivaldesarts. Die Performance wurde im Mai 2016 beim Kunstenfestivaldesarts uraufgeführt.
In Kooperation mit dem Forum Rathenau und dem Institut français Sachsen-Anhalt mit der Unterstützung der Staatskanzlei und Ministerium für Kultur des Landes Sachsen-Anhalt, dem Deutsch-Französischen Bürgerfonds und dem Institut français (Paris). Das Forum Rathenau wird durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert.
Diese Veranstaltung ist Teil des Programms des französischen Kulturnetzwerks in Deutschland „Neue Wege Eröffnen – Das Beste Europas“. Weitere Informationen





