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Rückblick: Historische Führungen im Kraftwerk Zschornewitz

Im Rahmen des Festival OSTEN führten die ehemaligen Kraftwerksmitarbeiterinnen Martina Schön und Silke Patze durch die Industriearchitektur des Kraftwerks Zschornewitz und gaben lebendige Einblicke aus erster Hand in das Ensemble, die Geschichte der Energieerzeugung und die Arbeitswelt im Kraftwerk.

Das Kraftwerk Zschornewitz war einst das weltweit leistungsstärkste Braunkohledampfkraftwerk. Im März 1915 wurde mit dem Bau begonnen. Die erste Netzschaltung erfolgte bereits im Dezember desselben Jahres. In der Hochphase arbeiteten hier mehrere tausend Menschen. 1992 wurde es stillgelegt. Heute ist das Kraftwerk viel mehr als ein Denkmal.

Besucher:innen versammeln sich um das Modell des Kraftwerks. Foto: Forum Rathenau/Sergei Balyberdin „Frost Foto“

Am Eröffnungswochenende gab die Kraftwerksseniorin Silke Patze, die selbst 13 Jahre im Maschinenraum des Kraftwerks gearbeitet hat, eine Tour. Ihr Rundgang führte durch das gesamte Industriedenkmal – vom Modell des Kraftwerks im Maschinenhaus hinauf zur Turbinenhalle bis hin zur Schaltwarte. 1915 errichtet, war das Kraftwerk zwei Jahre später das größte Braunkohledampfkraftwerk der Welt, mit einst 18 Schornsteinen. Verantwortlich für den Bau waren Walther Rathenau und der Ingenieur Georg Klingenberg. 

Silke Patze in der Schaltwarte des Kraftwerks Zschornewitz
Kraftwerksseniorin Silke Patze in der Schaltwarte. Foto: Forum Rathenau/Sergei Balyberdin „Frost Foto“

Etage für Etage führte der Weg vorbei am Kesselleitstand und Bunker-Schieber tiefer in den Arbeitsalltag: schwerste körperliche Arbeit, Verständigung über Hupzeichen, Fehler, die den Lohn schmälerten. „Man musste sich auf Gedeih und Verderb aufeinander verlassen können“, so eine Erinnerung von Silke Patze. Weiter oben schlug das technische Herz der Anlage – die erste Dampfturbine und der Generator mit Induktor, in dem einst Strom durch Bewegung entstand. 

Für Besucher wie Lars Vogel aus Leipzig, zum ersten Mal vor Ort, war vor allem die große Dimension beeindruckend: „Sich vorzustellen, wie gewaltig das mal war, was es für eine Leistung hatte, ist echt beeindruckend.“ Was die Führung so besonders macht, ist der persönliche Bezug – und der klingt in einem Satz von Silke Patze nach: „Das hier war meine Welt.“