Veranstaltung

Kohlenstoffkreislaufwirtschaft im Mitteldeutschen Revier

Kohlenstoffkreislaufwirtschaft im Mitteldeutschen Revier

Mit dem Titel „Quo vadis CMS-Strategie Sachsen-Anhalt?“ wird am Donnerstag, 26. Februar 2026 beim CarbonCycleCultureClub (C4) von 18 bis etwa 21 Uhr in den Räumlichkeiten des H2O Turmpark e.V. in Magdeburg die Zukunft der Kohlenstoffkreislaufwirtschaft im Mitteldeutschen Revier diskutiert.

Thema wird unter anderem sein, wie sich das Land Sachsen-Anhalt zur Carbon-Management-Strategie des Bundes positioniert.

Außerdem besprechen wir ein Jahr nach Veröffentlichung der Ergebnisse der vom Forum Rathenau beauftragten Basisstudie „Strukturwandel: Kohlenstoffbasierte Industrien in Mitteldeutschland auf dem Weg in neue Märkte – Schwerpunkt wirtschaftliche Ausgangslage und Entwicklungspotenziale”, welche Fortschritte seither in diesem Themenbereich zu verzeichnen sind.

Zu Gast beim Vorstandsvorsitzenden des Forum Rathenau Professor Ralf Wehrspohn, der den CarbonCycleCultureClub (C4) moderiert, werden unter anderem sein:

Carbon Capture and Utilization und Carbon Capture and Storage

Umwelt- und ressourcenschonende Technologien, Produkte und Dienstleistungen sind der Schlüssel zu einer nachhaltigen Wirtschaft. Ein zentraler Aspekt dabei ist das Erreichen von Klimaneutralität. Innovative Ansätze wie Carbon Capture and Utilization, also Kohlendioxid-Abscheidung und -Nutzung (CCU) und Carbon Capture and Storage, also Kohlendioxid-Abscheidung und -Speicherung (CCS) tragen dazu bei, diese zu erreichen.

Bis zum Jahr 2045 hat sich Deutschland das Ziel gesetzt, Netto-Treibhausgasneutralität zu erreichen. Nach dem Jahr 2050 sollen negative Treibhausgasemissionen erreicht werden. Die Emissionen sollen bis zum Jahr 2030 um mindestens 65 Prozent und bis zum Jahr 2040 um mindestens 88 Prozent gesenkt werden (gegenüber dem Jahr 1990).

Viele Unternehmen stellen derzeit ihre Produktionsverfahren, beispielsweise durch die Nutzung von regenerativen Energien, um. In einigen Sektoren der Industrie wie der Kalk- oder Zementindustrie, in Bereichen der Chemieindustrie und der Abfallverbrennung werden allerdings prozessbedingte schwer oder nicht vermeidbare CO₂-Emissionen bestehen bleiben. Entsprechend gehen Klimaneutralitätsstudien davon aus, dass schwer und nicht vermeidbare CO₂-Emissionen aus bestimmten Bereichen und Prozessen abgeschieden und anschließend genutzt (CCU) oder dauerhaft in tiefliegenden geologischen Gesteinsschichten gespeichert (CCS) werden müssen.

Die Technologien zur Abscheidung und anschließenden Nutzung und Speicherung von CO₂, die CCU- und CCS-Technologien, können künftig zusätzliche Bausteine für das Erreichen einer klimaneutralen Wirtschaft sein.

Zusätzlich steht inbesondere die chemische Industrie vor der Herausforderung, die fossil basierten Kohlenstoffe zu ersetzen oder die Stoffströme durch geschlossenen Kreislaufsysteme oder langfristige Bindung von Kohlenstoff klimaneutral zu gestalten.

Die Transformation hin zu einer emissionsarmen und kreislaufbasierten Wirtschaft bietet Deutschland und Europa aber auch zahlreiche wirtschaftliche Chancen, wie die Schaffung neuer Arbeitsplätze und eine Vorreiterrolle für nachhaltige Verfahren. Zudem kommt der Nutzung des Gases CO₂ als defossilisierter Rohstoff eine wachsende Bedeutung zu. 

Welche wirtschaftlichen Chancen werden von Unternehmen gesehen, die bereits Carbon Capture and Utilization betreiben, abgesehen von der Einsparung von CO₂-Zertifikaten?

Welche neuen wirtschaftlichen Möglichkeiten ergeben sich durch die Nutzung von biogenem CO₂? gilt es beim nächsten C4 in Magdeburg zu diskutieren, so der Vorstandsvorsitzende des Forum Rathenau Professor Ralf Wehrspohn.

Die Bundesregierung und die Europäische Kommission haben mit Diskussionen unter anderem über Carbon-Management-Strategien (CMS) auf die Transformationsprozesse reagiert, die erforderlich sind, um Klimaneutralität zu erreichen. Auch auf Bundesländer-Ebene in Deutschland wurde bereits eine CMS-Strategie und ein entsprechendes Positionspapier entwickelt.

Die regionale Speicherung von CO₂ ist 50 bis 70 Prozent günstiger als der Export von CO₂ an die Küsten. Wie steht die Landesregierung zur regionalen Speicherung von CO₂? Was wären konkrete nächste Schritte, um dies in Sachsen-Anhalt zu ermöglichen?, wird ein weiterer Fragenkomplex beim nächsten C4 sein.

CMS-Strategie des Bundes

Die Eckpunkte einer Carbon Management-Strategie des Bundes wurden am 29. Mai 2024 im Bundeskabinett beschlossen.

Sie stellten die politischen Maßgaben für den Umgang mit CCS/CCU der vorherigen Bundesregierung dar. Auch wenn die aktuelle Bundesregierung derzeit keine eigene Carbon Management Strategie erstellt, werden doch zentrale Instrumente aus diesen Eckpunkten weiterverfolgt und umgesetzt. Dazu gehört der weitere Ausbau der CCS-Infrastruktur und die Diskussion über eine Langfriststrategie Negativemissionen.

Das Kohlendioxid-Speicherungsgesetzes (KSpG)

Das am 28. November 2025 in Kraft getretene Gesetz zur Änderung des Kohlendioxid-Speicherungsgesetzes (KSpG) soll künftig die Abscheidung und Speicherung von CO₂ auch in großem Maßstab ermöglichen. Dies war vorher nicht zulässig. Das ist für die Abkehr von fossilen Brennstoffen in sehr energieintensiven Industrien eine wichtige technologische Möglichkeit, um Klimaneutralität zu erreichen.

Mit der Novelle schafft die Bundesregierung eine Grundlage, um diesen Branchen klimaneutrales und wettbewerbsfähiges Wirtschaften in Deutschland zu ermöglichen. Da der Aufbau von Transport- und Speicherinfrastrukturen zwischen sieben und zehn Jahre dauern kann, ist dies von großer Bedeutung. Die Infrastruktur muss bereits Anfang der 2030er Jahre fertig sein, damit die anvisierten Klimaziele erreicht werden können.

Nutzung von abgeschiedenem CO 

Die Nutzung von abgeschiedenem CO₂ ist eine Möglichkeit, den Ausstoß von CO₂ aus industriellen Quellen zu verringern und gleichzeitig Kohlenstoffkreisläufe zu schließen. CO₂ als Kohlenstoffquelle wird eine wachsende Bedeutung in der chemischen Industrie zugerechnet; besonders wenn fossile Kohlenstoffquellen nicht mehr oder nur noch in geringem Umfang genutzt werden. 

Negative Emissionen

Im Rahmen sogenannter negativer Emissionen wird der Atmosphäre CO₂ entzogen. Sie können entweder durch natürlichen Klimaschutz, wie beispielsweise der Erhöhung von Kohlenstoffvorräten im Wald oder Mooren oder mit Hilfe technischer Ansätze erreicht werden. Hier sind Verfahren zum direkten CO₂-Entzug aus der Luft (DACCS, engl. Direct Air Capture and CCS) oder der energetischen Biomassenutzung mit CCS (BECCS, engl. Bioenergy and CCS) von Bedeutung. Bei der BECCS-Technologie wird CO₂ aus der Verbrennung von Biomasse abgeschieden und anschließend im geologischen Untergrund dauerhaft gespeichert. Wichtig dabei ist, dass nachhaltig erzeugte Biomasse genutzt werden sollte, die aber nur begrenzt zur Verfügung steht.

Bisherige Anwendung von CCS und CCU

CCS und CCU werden bereits in anderen Ländern angewandt, so zum Beispiel in Norwegen.

Vor der norwegischen Küste ist nach Angaben des ausführenden Unternehmens Northern Lights im August 2025 die weltweit erste Anlage zur kommerziellen Einspeicherung von Industrie-CO₂ in Betrieb gegangen.

Das Treibhausgas wird in Industrieanlagen abgeschieden, verflüssigt und per Schiff zu einem Terminal in der Nähe von Bergen an der Westküste Norwegens transportiert. Dort wird es in Tanks umgefüllt und dann durch eine 110 Kilometer lange Pipeline transportiert. Zur dauerhaften Speicherung wird es in einer Tiefe von etwa 2,6 Kilometern unter dem Meeresboden verpresst. 

Northern Lights ist ein Joint Venture, ein Zusammenschluss von Unternehmen zum Zweck der gemeinsamen Durchführung von Projekten, der Ölkonzerne Equinor, Shell und TotalEnergies. Das erste nun eingelagerte CO₂ stammt nach Angaben von Northern Lights aus dem Zementwerk des deutschen Unternehmens Heidelberg Materials in Brevik im Südosten Norwegens. Northern Lights hat bislang eine geringe Zahl von Verträgen dieser Art geschlossen, etwa mit einer Ammoniakanlage des Düngerherstellers Yara in den Niederlanden.

Northern Lights wird vom norwegischen Staat gefördert. Die jährliche CO₂-Speicherkapazität der Anlage liegt bislang bei 1,5 Millionen Tonnen. Bis zum Ende des Jahrzehnts soll sie auf fünf Millionen Tonnen ansteigen. Das Zementwerk in Brevik alleine produziert jährlich rund 800.000 Tonnen CO₂.

Carbon Management Strategie NRW

Mit der Ende 2021 erschienenen Carbon Management Strategie Nordrhein-Westfalen (NRW) führt das Wirtschaftsministerium nach eigenen Angaben zentrale Maßnahmen auf, die unter anderem zu einer Reduzierung der Kohlenstoffintensität und einer nachhaltigen Kohlenstoffnutzung beitragen können.

(Siehe dazu auch Interview mit Christoph Zeiss, Senior Researcher am Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie und Hauptautor der Basisstudie „Strukturwandel: Kohlenstoffbasierte Industrien in Mitteldeutschland auf dem Weg in neue Märkte – Schwerpunkt wirtschaftliche Ausgangslage und Entwicklungspotenziale”)

 „Aktionsplan CCU/CCS“ in Bayern

Um eine industrielle und wirtschaftlich tragfähige Anwendung von CCU/CCS-Technologien zu ermöglichen, hat das Bayerische Wirtschaftsministerium in enger Zusammenarbeit mit den Akteuren der bayerischen Wirtschaft und Wissenschaft sowie einschlägigen Verbänden einen „Aktionsplan CCU/CCS“ entwickelt. Ziel ist es, die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft im Freistaat angesichts neuer technologischer Trends und transformativer Herausforderungen sowie unter Erfüllung der Vorgaben zur Klimaneutralität langfristig sicherzustellen und auszubauen.

Die einzelnen Maßnahmen sollen in der Laufzeit des Aktionsplans CCU/CCS bis Ende 2027 begonnen und soweit möglich umgesetzt werden.

Positionspapier zu Carbon Management in Baden-Württemberg

Der Ministerrat in Baden-Württemberg hat am 15. Oktober 2024 ein Positionspapier zu Carbon Management  verabschiedet.

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