Veranstaltung
CarbonCycleCultureClub (C4):

Sind die 12 Prinzipien der Grünen Chemie heute noch aktuell?

Sind die 12 Prinzipien der Grünen Chemie heute noch aktuell?

Beim CarbonCycleCultureClub (C4) am Donnerstag, 21. Mai 2026 wird von 18 bis etwa 21 Uhr im Industrie- und Filmmuseum Bitterfeld-Wolfen sowie digital zum Thema „Sind die 12 Prinzipien der Grünen Chemie heute noch aktuell?“ diskutiert. Dabei möchten wir darüber sprechen, ob neben der moralischen Ebene die nachhaltige Chemie auch wirtschaftlich ist. Welche Rolle dabei Aspekte wie Zirkularität und Sicherheit spielen soll außerdem beleuchtet werden. Moderiert wird die Veranstaltung vom Vorstandsvorsitzenden des Forum Rathenau Professor Ralf Wehrspohn.

Zu Gast bei Professor Wehrspohn sind:

  • Christian Harringa, Administrativer Geschäftsführer des CTC (Center for the Transformation of Chemistry)
  • Dr. Laura König-Mattern, Gruppenleiterin Computer-gesteuerte Bioraffinerien, CTC (Center for the Transformation of Chemistry)
  • Martin Rahmel, Direktor der Chemical Invention Factory an der TU Berlin
  • Dr. Friedrich Streffer, Startup Labor Schwedt (Uckermark)

Zölle der USA, Kosten für CO₂-Emissionen und kriegerische Auseinandersetzungen, die die Preise für Öl und Gas weiter steigen lassen, machen den Chemieunternehmen das Leben schwer. Gleichzeitig steht die Branche unter Transformationsdruck, denn sie soll und will nachhaltiger werden. Umstellung auf erneuerbare Energie ist ebenso Thema wie die Nutzung erneuerbarer Rohstoffe wie Abfälle, Biomasse und CO₂. Gleichzeitig muss das auch wirtschaftlich sein. Ist das möglich?

Aus moralischer Sicht steht fest, die Menschheit muss ihr Wirtschaften in Richtung Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft transformieren, denn die derzeitige Entwicklung führt dazu, dass wir die planetaren Grenzen überschreiten und so Zukunft und Wohlergehen der Menschheit und sämtlichen Lebens auf dem Erdball bedrohen.

Die 12 Prinzipien der Grünen Chemie

Im Rahmen des Konzepts der grünen Chemie werden innovative wissenschaftliche Lösungen angewendet, um Umweltprobleme zu lösen, die sich im Labor stellen. Paul T. Anastas und John C. Warner entwickelten schon im Jahr 1991 die Zwölf Prinzipien der Grünen Chemie:

  1. Abfallvermeidung
  2. Vermeidung von Nebenprodukten (Atomökonomie)
  3. Durchführung von Synthesen mit weniger gefährlichen Stoffen
  4. Herstellung möglichst sicherer und umweltfreundlicher Chemikalien
  5. Einsatz umweltfreundlicher Löse- und Hilfsmittel
  6. Einsatz energieeffizienter Verfahren
  7. Einsatz erneuerbarer Rohstoffe
  8. Vermeidung von Derivaten als Zwischenstufen in Synthesen
  9. Einsatz von Katalysatoren
  10. Herstellung biologisch abbaubarer Stoffe
  11. Einsatz von Prozessanalytik zur laufenden Überwachung der Synthesen
  12. Unfallvermeidung

„Grüne Chemie ist die Anwendung einer Reihe von Prinzipien, die die Verwendung oder Erzeugung gefährlicher Stoffe bei der Entwicklung, Herstellung und Anwendung chemischer Produkte reduzieren oder eliminieren.“  (Green Chemistry: Theory and Practice, P. T. Anastas und J. C. Warner, Oxford University Press, Oxford, 1998).

Ziel der Grünen Chemie ist es, die chemikalienbedingten Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit zu verringern und die Verschmutzung der Umwelt zu vermeiden. Mittels der Grünen Chemie wird nach alternativen, umweltfreundlichen Reaktionsmedien gesucht und gleichzeitig werden höhere Reaktionsgeschwindigkeiten und niedrigere Reaktionstemperaturen angestrebt.

2004 spezifizierte das Umweltbundesamt zusammen mit der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) außerdem die Kriterien für eine nachhaltige Chemie.

Nachhaltige Chemie steht im Idealfall für ein ungefährliches Produkt mit einer guten biologischen Abbaubarkeit und der Möglichkeit der Kreislaufführung auf hohem Wertschöpfungsniveau.

Und heute, 35 Jahre später?

Nach wie vor basiert in der konventionellen Chemie vieles auf Erdöl. Im Jahr 2021 hat die chemische Industrie in Deutschland mehr als 14 Millionen Tonnen Mineralöl als Rohstoff für Produkte genutzt.

Im Jahr 2024 entfielen fast acht Prozent des deutschen Energieverbrauchs auf die Chemie. Damit war der Energieverbrauch zwar im Vergleich zu den Vorjahren schon zurück gegangen, aber noch immer sehr hoch.

Und angesichts der derzeitigen Krisen und dem enormen Druck, der ohnehin auf der Branche lastet: Ist die grüne Chemie da eine Richtung, die weiterverfolgt oder anvisiert werden kann? Ist das wirtschaftlich?

„Grüne Chemie als Rettung? Wohin die Branche jetzt steuert“, titelte www.ingenieur.de Ende März dieses Jahres. Es äußerten sich zwei Managementberater in dem Artikel zu dem Dilemma und kamen zu dem Ergebnis, dass mehr Resilienz in der Branche erforderlich ist. Außerdem sehen sie Lichtblicke wie die Kreislaufwirtschaft.

Man sei zuversichtlich, dass es keinen anderen Weg als den in Richtung erneuerbare Chemie gibt und, dass dieser erfolgreich sein wird. Aber die Politik könne das allein nicht schaffen, es müssten starke Firmen mit eigenen Maßstäben vorangehen, war das Fazit des Artikels.

Doch auch die großen sind unter Druck wie beispielsweise der Umsatz von BASF zeigt. Dieser sank im Vergleich zu 2024 um knapp drei Prozent auf circa 59,7 Milliarden Euro. Beim Betriebsgewinn verzeichnet die BASF sogar einen Rückgang von fast zehn Prozent auf knapp 6,6 Milliarden Euro. Auch der Chemiekonzern BASK kämpft mit Kostendruck, hohen Energiepreisen sowie einer zu geringen Auslastung am Stammwerk Ludwigshafen, in dem etwa ein Drittel aller Beschäftigen des weltweit agierenden Konzerns arbeitet.

Es helfe nur eine enge Zusammenarbeit zwischen Industrie und Politik.

Das A und O dabei sind international wettbewerbsfähige Energiepreise, verlässliche und planbare regulatorische Rahmenbedingungen sowie eine stärkere Förderung von Zukunftstechnologien wie grünem Wasserstoff, Kreislaufwirtschaft und CO2-armen Produktionsprozessen. Schaffen Politik und Industrie hier gemeinsam langfristige Perspektiven, kann Deutschland weiterhin ein attraktiver Standort für eine nachhaltige und innovative Chemieindustrie bleiben, so Harald Smolak, der in der Managementberatung Atreus einer der für die Chemiebranche zuständigen Direktoren ist, im oben genannten Artikel.

Mit den Bootcamps Create New Chemistry und Scale New Chemistry entwickelt das Forum Rathenau systematisch Lösungen für reale industrielle Herausforderungen, indem Forschungsteams und Start-ups entlang konkreter Unternehmensbedarfe arbeiten und diese in marktfähige Anwendungen überführen. Die Programme bilden die strukturierte Eingangsschicht für ein wachsendes Venture-Building-Ökosystem, in dem aus validierten Ansätzen skalierbare Geschäftsmodelle und industrielle Implementierungen entstehen.

Innovationen mit nachhaltiger Chemie

Laut der DECHEMA (Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie e.V)-Studie „Innovationen mit nachhaltiger Chemie“, die im Auftrag des Umweltbundesamtes ausgeführt und Anfang des Jahres veröffentlicht wurde, ist nachhaltige Chemie außerdem für Start-ups lukrativ.

„Nachhaltige Chemie wird als kontinuierlicher Transformationsprozess verstanden, der ökologische, ökonomische und gesellschaftliche Ziele integriert und entlang des gesamten Lebenszyklus wirkt. Sie orientiert sich an anerkannten Zielsystemen und verbindet Effizienz, Sicherheit und Umweltverträglichkeit mit messbarer Wirkung“, heißt es in der Studie.

Es wird gezeigt, wie Förderung und Finanzierung für Start-ups in der nachhaltigen Chemie wirksam ausgerichtet werden können. Im Zentrum steht ein Instrumentenmix entlang des gesamten Unternehmenslebenszyklus. Er verbindet frühe marktorientierte Validierung mit modularer ideeller Unterstützung, schließt Infrastrukturengpässe von Labor bis Technikum und Produktionsreife und ergänzt die Finanzierungskette perspektivisch durch eine chemiespezifische Programmlinie oder einen Branchenfonds.

Aus der Strategie folgt eine klare Handlungsableitung. Relevante Akteure aus Bund und Ländern, Förderinstitutionen, Fondsmanagement, Branchenunternehmen sowie die Träger der Unterstützungsinfrastruktur sollten kurzfristig in Gespräche zur Umsetzungsplanung eintreten, Pilotpfade definieren und Zuständigkeiten sowie Governance klären. Die nachhaltige Chemie eigne sich als Schrittmacher eines wirkungsorientierten Förderdesigns für Forschung und Start-ups. Die erarbeiteten Bausteine sind anschlussfähig und dienen als Blaupause für weitere Felder wie neue Materialien, industrielle Biotechnologie, Photonik oder Quantentechnologien. Der nächste Schritt ist die gemeinsame Umsetzung, so das Fazit der Studie. Vgl. Neumann, Bazzanella, Bergset (2026): Innovationen mit nachhaltiger Chmei. Machbarkeitsstudie zu Förder- und Finanzierungsinstrumenten für Start-ups. Hg. Umweltbundesamt

Center for the Transformation of Chemistry

Das Center for the Transformation of Chemistry (CTC) ist das erste Großforschungszentrum in Deutschland, das sich der Kreislaufwirtschaft in der Chemie widmet. Seine Mission ist es, die Transformation der chemischen Industrie voranzutreiben – für eine nachhaltigere Zukunft. Das CTC wurde 2025 gegründet und soll bis 2038 auf bis zu 1.000 Mitarbeitende wachsen.

Gemeinsam wird das Team an zwei visionären Moonshots für die Chemie arbeiten: dem autonomen Labor und dem vollständig recycelbaren Auto. Mit Standorten in Delitzsch (Sachsen) und Merseburg (Sachsen-Anhalt) soll das CTC den Strukturwandel in Mitteldeutschland voranbringen.

Unsere Podiumsgäste Christian Harringa,Administrativer Geschäftsführer des CTC (Center for the Transformation of Chemistry)und Dr. Laura König-Mattern, Gruppenleiterin Computer-gesteuerte Bioraffinerien vom CTC werden beim C4 vorstellen, wie das CTC zur grünen Chemie arbeitet und was das für die Chemiebranche im Mitteldeutschen Revier bedeutet.

Martin Rahmel, Direktor der Chemical Invention Factory an der TU Berlin (CIF)

„Die CIF hat die Aufgabe, die Nachhaltigkeitswirkung von Grüner Chemie durch effektiven Transfer von Forschungsergebnissen in die Praxis zu entfalten. Das setzen wir um, in dem wir Technologietransfer aktiv, strukturiert und strukturell ermöglichen und begleiten. Dafür verfolgen wir einen ganzheitlichen Ansatz, denn chemische Prozesse zu verändern, neue Materialien zu gestalten, ist schwierig und langwierig. Ein zentraler Aspekt in der Chemie ist dabei die benötigte Infrastruktur für Innovationen wie beispielsweise Labore. Dies schaffen wir mit der CIF. Zudem schauen wir aktiv auf den Markt und fragen die Industrie, für welche Nachhaltigkeitsherausforderungen Lösungen benötigt werden“, erläuterte Martin Rahmel im Rahmen eines Interviews. Beim C4 wird er berichten, wie der Transfer von Forschungsergebnissen in die Praxis im Bereich Grüne Chemie gelingen kann.

Friedrich Streffer, Startup Labor Schwedt (Uckermark)

Das Startup Lab Schwedt ist eine gemeinsame Initiative der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde, der LEIPA Group GmbH und der PCK Raffinerie GmbH.

Es setzt auf einen Open-Innovation-Ansatz, um die industrielle Transformation voranzutreiben und bringt Technologien in die Anwendung. Dafür werden Start-up Challenges veranstaltet, die sich mit unterschiedlichen Herausforderungen auf dem Weg zu einer klimaneutralen Kreislaufwirtschaft beschäftigen.

Als Innovation Manager im Startup Labor Schwedt unterstützt Friedrich Streffer Start-ups dabei, ihre Ideen an die Anforderungen der Industrie anzupassen. Von seinen Erfahrungen, den Start-up Challenges und den Chancen, Grüne Chemie stärker wirtschaftlich zu etablieren wird Friedrich Streffer erzählen und diese in die Diskussion zum Thema Grüne Chemie einbringen.

Wir laden Sie ein, mit uns und den Podiumsgästen die Chemie der Zukunft zu diskutieren und zu erörtern, ob und wie grüne Chemie wirtschaftlich ist!

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