Wie können wir trotz Meinungsunterschieden Brücken bauen oder besser aushalten, was uns trennt? Das Format Sprechen & Zuhören bot einen Raum dafür auf dem Festival OSTEN am Samstag, 12. September 2026 in Kooperation mit dem Forum Rathenau. Die Moderatorin Grit Michelmann ist freiberufliche Prozessbegleiterin für gesellschaftliche Verständigungsprozesse und liebt es, Menschen in Kommunen, Vereinen oder Organisationen in kokreativen Prozessen zu begleiten. Seit 2025 arbeitet sie viel in ländlichen Räumen und moderiert für Mehr Demokratie e.V. an unterschiedlichen Orten Sachsen-Anhalts das Format Sprechen & Zuhören.
In der Nachmittagssonne im Atelier für gegenseitiges Interesse startete der Workshop mit einer kurzen Befragung. Die Teilnehmer:innen fragten sich mit Blick auf die vergangenen 30 Jahre und setzten das in Verbindung zum Raum: Geht es mir heute besser, gleich oder schlechter? Habe ich das Gefühl die Zukunft mitgestalten zu können oder fühle ich mich machtlos ausgeliefert?

Fotos: Forum Rathenau/Sergei Balyberdin „Frost Foto“
Danach diskutierten die Teilnehmer:innen in Dreiergruppen. Jede:r hatte drei Minuten, sich zu äußern. Dabei gab es klare Regeln: Die anderen hören ohne Unterbrechungen zu. Schweigen ist in Ordnung. Jede und jeder spricht von eigenen Erfahrungen und Gefühlen. Nach zwei Runden kamen alle im großen Kreis zusammen und die Moderatorin fragte in die Runde, wie die Methode erlebt wurde.
Antworten waren unter anderem: „Es entsteht schnell ein kleiner Verbund auf Zeit.“ „Die Atmosphäre und die Menschen hier haben mal wieder zu einem positiven Denken über die Zukunft inspiriert.“ „Es gibt Ideen, wir können viel machen – gemeinsam.“ „Es ist so wichtig, im Gespräch zu bleiben und uns als Menschen wahrzunehmen.“

Ausgehend von der Idee einer Demokratie der Zuneigung lädt das Format ein, einander wirklich zuzuhören. Grit Michelmann erläuterte: „Es geht darum, ins Wahrnehmen und Fühlen und damit raus aus dem Kopf zu kommen. So lassen sich vielleicht Gräben überwinden, die sich aktuell auftun.“ Demokratie braucht Zuhören als gelebte Praxis: So machte dieser kurzweiligen Workshop erfahrbar, dass ein anderes gesellschaftliches Miteinander möglich ist.



