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Rückblick: Zschornewitzer Bodenproben

Foto: Forum Rathenau / Sergei Balyberdin „Frost Foto“

Auf dem Festival OSTEN am 20. September 2026 zogen der Theatermacher Uwe Gössel und der Dramaturg Henrik Adler auf einem hölzernen Karren Requisiten über das Kraftwerksgelände. Diese kamen an verschiedenen Stationen des performativen Spaziergangs „Bodenproben“ zum Einsatz.

Der Boden als Zeitzeuge: Was liegt eigentlich hier unter unseren Füßen?

„Die Landschaft hier liegt auf einem weichen Sedimentbecken: Schichten aus Sand, Kies, Ton und Lehm – und dazwischen Braunkohle“, sagte Uwe Gössel. Vor rund 30 Millionen Jahren herrschte in Zschornewitz ein warmes, feuchtes Klima. Moore, Flüsse und Sumpfwälder bestimmten die Landschaft. Es gab zwar Krokodile, Haie, Nashörner oder affenähnliche Tiere, doch vom Menschen noch keine Spur. Damit aus einem Moor Braunkohle wird, braucht es vor allem eines: Zeit.

Die Künstler stellten ungewöhnliche, poetische Zusammenhänge her: Henrik Adler spannte den Bogen vom 140 Jahre alten Cello seines Urgroßvaters zur Energieerzeugung im Kraftwerk Zschornewitz. Hier wurden zeitweise rund 7.500 Tonnen Braunkohle verbrannt und so knapp 19 Millionen Kilowattstunden Energie erzeugt.

Foto: Forum Rathenau / Sergei Balyberdin „Frost Foto“

Im historischen Bergbau wurde dem Finder eines Minerals ein kleines Feld an der Oberfläche zugeteilt: Das sogenannte Geviertfeld. An der gleichnamigen Station konnten die Besucher:innen mit den Händen den Boden spüren und eine Kostprobe (Heil)Erde in sich aufnehmen. Auch um Asche ging es und sehr persönliche Fragen: Wer lebt noch dort, wo er geboren wurde? Und wer wird wo begraben?

Die Tour endete in der Schaltwarte. In der Herzkammer des Kraftwerk Zschornewitz wurde einst der Strom verteilt. Henrik Adler spielte die 50 Hertz-Frequenz auf seinem Cello – 50 Schwingungen in der Sekunde. Auch das Kraftwerk musste diesen Takt halten: „Bei weniger als 50 Hertz drohte das Stromnetz zusammenzubrechen.“