Start-ups, Wissenschaft und Industrie bringt der Forum Rathenau e.V. in Bitterfeld-Wolfen bei der dritten Session von „Scale New Chemistry“ am Freitag, 11. September 2026 zusammen. Dies ist eine Veranstaltung in einer Reihe, die Chemie-Gründungen im Mitteldeutschen Revier unterstützt, fördert und mit Unternehmer:innnen verbindet.
Im Herzen des Mitteldeutschen Chemiedreiecks kommen junge Gründungsteams und etablierte Chemieunternehmen mit international hochkarätigen Mentor:innen zusammen, um gemeinsam an konkreten industriellen Fragen zu Offtake und Skalierung zu arbeiten und die Region als Gründungsstandort für die Chemie von morgen zu stärken.
Diese Frage: Wie werden aus wissenschaftlichen Durchbrüchen in der Chemie neue Unternehmen und echte Industriekollaborationen? steht dabei im Mittelpunkt.
Vormittags finden vertrauliche Einzelgespräche zwischen den Gründer:innen und ihren Mentor:innen aus der Industrie statt, nachmittags werden in einer größeren Runde die Ergebnisse präsentiert. Die Arbeitsphase des Tages läuft im geschlossenen Rahmen.
Ab 17 Uhr sind alle Interessierten zum Networking-Event im Metall-Labor Dr. Adolf Beck des Chemieparks Bitterfeld-Wolfen eingeladen. Die Gäste können mit Gründer:innen und dem Programmteam ins Gespräch kommen und mehr erfahren über die Deeptech-Ventures der Chemie-Start-ups und beispielsweise mögliche Anknüpfungspunkte für das eigene Unternehmen finden.
„Scale New Chemistry“ ist ein Programm des Forum Rathenau e. V. gemeinsam mit DEEP – Institute for Deep Tech Innovation an der ESMT Berlin. Es bringt eine Kohorte europäischer Deeptech-Start-ups, nämlich Start-ups aus Chemie und Bioökonomie, deren Geschäftsmodelle auf echten wissenschaftlichen oder technischen Durchbrüchen basieren, über mehrere Sessions hinweg mit Fach- und Führungskräften aus der Industrie zusammen.
Die vier Unternehmen der aktuellen Kohorte kommen aus Deutschland, Dänemark und Österreich, stehen überwiegend im Pilotmaßstab mit ersten Kunden und arbeiten an:
- Twogee Biotech, München: Enzyme für günstige 2G-Zucker aus Biomasse
- Porelio, Potsdam: poröse Silica-Materialien für Metallrückgewinnung und PFAS-Entfernung
- BioHalo, Kopenhagen: biozidfreier Schutz gegen Oberflächenbewuchs
- Cairos Carbon Transformation, Leoben: Biomasse zu netzfertigem grünem Gas
Lücke zwischen Labor und Markt schließen
„Gerade in der Chemie ist der Weg von der zukunftsweisenden Idee zum marktfähigen Produkt oft lang. Zwischen dem Labornachweis und der industriellen Anwendung liegt die anspruchsvolle Phase des Pilotmaßstabs, in der viele gute Ansätze stecken bleiben, weil Kapital, Infrastruktur und der Zugang zu industriellen Partnern fehlen. Genau hier setzt ‚Scale New Chemistry‘ an: Das Format begleitet Gründungen an dieser Schwelle und verbindet sie mit den Kompetenzen, Anlagen und dem Marktwissen, die im Chemiedreieck vorhanden sind“, sagt der Vorstandsvorsitzende des Forum Rathenau Professor Ralf Wehrspohn.
Die Region hat ideale Voraussetzungen dafür: Gewachsene Chemiestandorte mit der entsprechenden Infrastruktur, eine vernetzte Industrielandschaft und eine starke Forschungsbasis.
„Mit den beiden Projekten ‚Create bzw. Scale New Chemistry‘ hat das Forum Rathenau ein neues und aus meiner Sicht lange vermisstes Format in die Region gebracht und weiterentwickelt. Start-up-Unternehmen und etablierte Chemie zu gemeinsamen Themenfeldern zusammenzubringen, hat das Potential ein Schlüsselelement einer erfolgreichen Transformation hin zu einer kohlenstoffneutralen Kreislaufwirtschaft zu sein“, sagt der Chemiepark-Geschäftsführer Bitterfeld-Wolfen und Vorstand des Forum Rathenau Patrice Heine zum Programm.
Gründungsteams und erfahrene Unternehmer:innen im Austausch
Das Bootcamp-Programm „Scale New Chemistry“ ist als Teil eines offenen Startup-Ökosystems angelegt, das Gründungsteams, Wissenschaft und Industrie an einen Tisch bringt. Eine Kohorte junger Unternehmen arbeitet dabei mit datengetriebenen und KI-gestützten Methoden an realen Herausforderungen aus der chemischen Industrie, von der Materialentwicklung bis zu neuen, nachhaltigeren Verfahren. Auf diese Weise treffen die Geschwindigkeit und Kreativität von Start-ups auf die Erfahrung und Maßstäbe etablierter Unternehmen. Getragen wird das Programm von einem wachsenden Kreis an Partnern. Mit der ESMT Berlin ist eine international renommierte Wirtschaftshochschule eingebunden, und mit Citrine Informatics als eine führende KI-Plattform für Werkstoff- und Materialforschung eine spezialisierte Technologiebasis. Hinzu kommen der Chemiepark Bitterfeld-Wolfen als industrieller Ankerort sowie datengetriebene KI-Projekte mit regionalen Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Dieses Netzwerk sorgt dafür, dass aus den einzelnen Projekten ein tragfähiges Innovationsumfeld wird.
Sichtbare Fortschritte
Seit dem Auftakt im Frühjahr dieses Jahres hat das Programm spürbar an Fahrt gewonnen. Die beteiligten Teams arbeiten an konkreten Anwendungsfällen, in denen moderne Datenanalyse und künstliche Intelligenz helfen, Entwicklungszeiten zu verkürzen und neue Lösungen schneller in die Praxis zu bringen. Parallel wächst das Interesse aus Industrie und Wissenschaft, sich einzubringen und passende Kooperationen zu knüpfen.
Die Sessions von „Scale New Chemistry“ sind dabei bewusst als Arbeitsformate angelegt. Statt reiner Präsentationen stehen gemeinsames Arbeiten, das Zusammenführen von Bedarfen und das Anbahnen konkreter Matches zwischen Start-ups und Unternehmen im Vordergrund. So wird jede Session zu einem Schritt, der das Vorhaben inhaltlich und im Netzwerk weiterträgt.
„Wir wollen in der Region unseren Beitrag leisten und aus exzellenter Forschung echte Unternehmen machen, exzellenten Start-ups zu skalierbaren Offtake-Agreements mit der etablierten Industrie verhelfen. ‚Scale New Chemistry‘ bringt genau die Menschen zusammen, die das möglich machen, von den Gründerinnen und Gründern über die Wissenschaft bis zur Industrie“, sagt Pascal Milfeit, Projektleiter Bootcamps & Venture Building, Forum Rathenau e.V.