
Das Festival OSTEN findet von Samstag, 12. September bis Sonntag, 27. September 2026 im Industriedenkmal Kraftwerk Zschornewitz und in Bitterfeld-Wolfen mit dem Thema „KRAFTWERK ZUKUNFT“ statt.
Der Kulturpark e.V. und der Forum Rathenau e.V., der dieses Jahr der Kooperationspartner des Festival OSTEN ist, haben ein sehr umfangreiches und vielfältiges Programm zusammengestellt mit sehr vielen Highlights für Familien, Kinder, Jugendliche und Erwachsene.
Drei dieser Beiträge stellen wir hier genauer vor – und alle drei leben davon, dass das Publikum mitredet und mitmacht: die „Frage des Tages: Zukunft Kraftwerk“, in der es zum Festivalabschluss um die Zukunft des Industriedenkmals selbst geht, das „Zukunftsgespräch“ über die Frage, wie wir in dieser Region morgen leben wollen, und die offene Werkstatt der „Zukunftsschmiede Industriekultur“, in der Jugendliche und Erwachsene mit Aluminium arbeiten. Gemeinsam ist ihnen der Ort: das Kraftwerk Zschornewitz, das ein Jahrhundert Energie- und Kohlenstoffgeschichte in sich trägt – und dessen Zukunft gerade neu verhandelt wird.
Frage des Tages: Zukunft Kraftwerk – Welche Impulse setzt Zschornewitz?

Samstag, 26. September, 15 Uhr, Atelier für gegenseitiges Interesse
Die Frage des Tages zur Zukunft des Kraftwerk Zschornewitz ist ein offenes Gespräch zwischen dem Publikum und dem Bürgermeister von Gräfenhainichen, Enrico Schilling sowie dem Geschäftsführer des Chemieparks Bitterfeld-Wolfen, Patrice Heine. Beide sind Mitglieder des Vorstands des Forum Rathenau, dessen Vereinszweck es u. a. ist, das Kraftwerk als lebendigen Ort mitzugestalten. Hier gibt es die Gelegenheit für einen offenen Austausch über Ideen, die im Raum stehen, welche Hürden für eine Verwirklichung es gibt und wie der Stand laufender Prozesse zur Zukunft des Kraftwerks ist.
Leo Kamps, Moderator:in der Frage des Tages und Leiter:in der DenkWerkstatt des Forum Rathenau, stellt den Programmpunkt vor:
Das Forum Rathenau ist als verbindendes Netzwerk der Katalysator für den Prozess des Erwerbs und der Entwicklung des Kraftwerks mit seinem großen Gelände durch die Stadt Gräfenhainichen. Es hat das Festival OSTEN eingeladen, dieses Jahr im Kraftwerk das Festival auszurichten und zeigt damit, wie das Industriedenkmal und das Gelände als Raum für Kultur, Nachdenken über die nachhaltige Transformation und Zukunft sowie als Raum fürs Zusammenkommen genutzt werden kann. Gegen Ende des Festivals hat das Forum Rathenau den Programmpunkt aufgemacht, um über die Zukunft des Kraftwerks zu sprechen und lädt das Publikum dazu ein, ins Gespräch zu gehen, nachdem es das Festival erlebt hat.
Auch mehr als dreißig Jahre nach der Schließung des Kraftwerkbetriebs haben viele Menschen eine starke Beziehung zum Kraftwerk, das weit über den Ort Zschornewitz hinaus Biografien der Menschen geprägt hat. Alle mit einer Verbindung zum Kraftwerk Zschornewitz sind eingeladen, genauso wie alle, die das Kraftwerk aus heutiger Perspektive kennengelernt haben, als einen Ort, der die Vergangenheit der Kohleverstromung mit der Zukunft der Kohlenstoffkreislaufwirtschaft verbindet. Außerdem ist die Entwicklung des Ortes ein spannendes Beispiel lebendiger Industriekultur.
Am Ende des Festivals OSTEN mit dem Motto Kraftwerk Zukunft, wollen wir das Motto umdrehen und fragen: „Zukunft Kraftwerk – Welche Impulse setzt Zschornewitz?“ Nachdem wir mit dem Festival OSTEN erlebt haben, wie der Ort als Raum zum Erleben, Nachdenken und Zusammenkommen funktioniert, wollen wir weiter in die Zukunft blicken: Welche Konzepte können den Ort in Zukunft tragen? Wie kommen wir da hin? Beim Festival OSTEN kommen viele Perspektiven zusammen, die wir gerne einbeziehen möchten. Zusätzlich zum Gespräch können Ideen und Wünsche zur Zukunft des Kraftwerks auf den „Zukunftspostkarten“ eingereicht werden.
Zukunftsgespräch: Wie gestalten wir, wie wir morgen leben wollen?

Samstag, 26. September, 12 Uhr im Atelier für gegenseitiges Interesse
Orte, Landschaften und Gesellschaften verändern sich ständig. Doch wie gelingt der Wandel, wenn Vergangenheit noch spürbar und die Zukunft offen ist? Was bedeutet die Zukunft des Ostens für Unternehmen, kommende Generationen und das Zusammenleben vor Ort? Im Zukunftsgespräch treffen persönliche Erfahrungen, neue Ideen und unterschiedliche Perspektiven aufeinander. Anders als bei einer klassischen Podiumsdiskussion können alle zuhören, mitdenken oder selbst Teil des Gesprächs werden.
Nicole Schmalfuß – Geboren, geprägt und gereift im Osten, entwickelt im Westen: Nicole Schmalfuß interessiert sich für die Frage, wie Menschen trotz Unterschiedlichkeit in Verbindung bleiben. Kunst wurde für sie früh zum Zugang, andere Perspektiven zu entdecken und gesellschaftliche Wirklichkeiten neu zu betrachten. Zuhören, Dialog und gemeinsames Denken sind für sie der Weg zu einem gelingenden Miteinander. Heute arbeitet sie selbstständig mit Dialog-Raum(.de) und gründet den Verein Dialog-Land für gesellschaftliche Entwicklung.
Dr. Kerstin Schmidt bewegt sich seit vielen Jahren an der Schnittstelle von Wissenschaft, Wirtschaft, Transformation und gesellschaftlichem Wandel. Als Führungskraft, Projektentwicklerin und Netzwerkerin begleitete sie Innovations- und Veränderungsprozesse in Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Regionen im Umbruch – unter anderem bei der Fraunhofer-Gesellschaft, in Unternehmen sowie in Nachhaltigkeits- und Strukturwandelprojekten. Besonders prägt sie die Frage, wie Zukunft gemeinsam gestaltet werden kann: mutig, partizipativ und mit Blick auf gesellschaftlichen Zusammenhalt. Beim OSTEN Festival bringt sie persönliche Erfahrungen aus Ost- und Westdeutschland, Perspektiven auf Transformation und ihre Leidenschaft für Dialog und Vernetzung ein.
Weshalb sollten die Gäste unbedingt an unserem Angebot teilnehmen?
Zukunft kommt – die Frage ist, wie viel Einfluss wir darauf nehmen, wie sie sich entwickelt. Denn Zukunft passiert nicht einfach. Sie wird gestaltet – durch politische und technologische Entscheidungen, aber insbesondere durch Menschen, ihren Erfahrungen, ihren Ideen und die Art, wie wir miteinander leben und arbeiten.
Im Zukunftsgespräch wollen wir gemeinsam mit den Gästen erkunden, wie wir morgen leben wollen. Dabei beginnt der Blick nach vorn nicht erst in der Zukunft. Denn Zukunft braucht Herkunft. Was hat uns und die Region geprägt? Was davon möchten wir bewahren? Was wollen wir loslassen? Und was können wir nicht mehr verändern – aber vielleicht anders betrachten und anders damit umgehen?
Ausgehend von persönlichen Erfahrungen, Erinnerungen und unterschiedlichen Sichtweisen richtet sich der Blick deshalb über das Hier und Jetzt nach vorn. Wie wollen wir hier leben und arbeiten? Was macht diese Region lebenswert? Welche ihrer Schätze wollen wir bewahren – und welche neuen Möglichkeiten können wir gemeinsam entwickeln?
Das Gespräch verbindet persönliche Erfahrungen mit den großen Transformationsfragen unserer Zeit. Dabei geht es nicht darum, eine fertige Zukunft zu präsentieren. Es geht darum, gemeinsam darüber nachzudenken, was entstehen kann, welche Handlungsspielräume wir haben und was wir selbst beeinflussen können.
Das Gespräch gehört dabei nicht einigen wenigen auf einem Podium. Wer möchte, kann eine eigene Erfahrung oder einen Gedanken teilen und damit die Richtung des Gesprächs verändern. Wer zunächst nur zuhören möchte, ist ebenso willkommen. So begegnen sich unterschiedliche Generationen, Erfahrungen und Perspektiven – mit dem Ziel, gemeinsam mehr zu entdecken, als jede und jeder für sich sehen kann.
Wie werden die Inhalte und Ziele des Forum Rathenau durch unser Programmangebot vermittelt?
Das Forum Rathenau e. V. steht für konsequente Zukunftsorientierung sowie für transdisziplinäres Denken und Handeln. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie der Wandel hin zu einer postfossilen Gesellschaft gelingen kann – insbesondere mit Blick auf eine nachhaltige Kohlenstoffkreislaufwirtschaft. Dafür bringt das Forum Perspektiven aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik, Kultur und Gesellschaft zusammen.
Genau diese Verbindung wollen wir im Zukunftsgespräch erlebbar machen. Transformation betrachten wir nicht allein aus der Perspektive von Technologie oder Wirtschaft. Wir fragen eher nach den Menschen, nach ihren Erfahrungen, ihren Bedürfnissen, ihren Ideen und ihrer Bereitschaft, Zukunft selbst mitzugestalten.
Das historische Kraftwerk Zschornewitz bildet dafür einen besonderen Resonanzraum. Der Ort erzählt von industriellem Aufbruch und Fortschritt, von fossiler Energie und Arbeit, aber ebenso von Brüchen, Verlusten und tiefgreifender Veränderung. Hier wird Vergangenheit sichtbar und gleichzeitig Zukunft verhandelbar.
So entsteht eine Verbindung zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Vergangenheit lässt sich nicht verändern. Aber wir können verändern, wie wir mit ihr umgehen und was wir aus ihr für Gegenwart und Zukunft entwickeln.
Damit erweitert das Zukunftsgespräch die technologische und wirtschaftliche Perspektive auf Transformation um eine gesellschaftliche. Wie wollen wir in einer sich verändernden Welt miteinander leben – und welchen Teil davon können und wollen wir selbst mitgestalten?
Für wen ist unser Angebot besonders interessant?
Das Zukunftsgespräch richtet sich an Menschen aus der Region ebenso wie an Gäste von außerhalb – an Menschen, die hier leben oder arbeiten, die die Veränderungen der vergangenen Jahrzehnte selbst erlebt haben, die zurückgekehrt oder neu hinzugekommen sind, und an diejenigen, die neugierig darauf sind, was aus einer Region mit einer so bewegten Geschichte entstehen kann.
Es ist für Menschen, die Fragen mitbringen wie:
- Was aus unserer Vergangenheit ist für unsere Zukunft wertvoll?
- Was möchten wir hinter uns lassen?
- Wie wollen wir künftig leben und arbeiten?
- Welche Chancen und Möglichkeiten entstehen jetzt?
- Welche Rolle spielen Kultur, Gemeinschaft und regionale Identität?
- Wie können wir selbst Teil der Veränderung werden?
- Und was können wir gemeinsam bewegen, was allein vielleicht nicht möglich wäre?
Dafür braucht es weder Fachwissen noch eine fertige Meinung. Neugier reicht. Und Zuhören ist genauso willkommen wie Mitreden.
Denn Zukunft entsteht nicht nur in politischen Gremien, Unternehmen oder Forschungseinrichtungen. Sie entsteht auch dort, wo Menschen einander zuhören, ihre Erfahrungen teilen, Unterschiede aushalten und beginnen, Möglichkeiten gemeinsam zu denken und zu gestalten.
Was hat uns bewegt, das Programmangebot so anzubieten?
Gerade eine Region wie Bitterfeld-Wolfen zeigt, dass Veränderung nicht abstrakt geschieht. Sie schreibt sich in Landschaften und Orte ein, verändert Arbeit, Gemeinschaften, Familiengeschichten und persönliche Lebenswege. Das OSTEN Festival bringt Menschen an Orte, an denen Vergangenheit und Zukunft unmittelbar aufeinandertreffen. Das Kraftwerk Zschornewitz steht exemplarisch für den industriellen Wandel Mitteldeutschlands – und für die Frage, wie sich eine Region nach dem Ende einer prägenden Industrie neu erfinden kann.
Für uns ist dieser Ort deshalb der ideale Ausgangspunkt, um über Zukunft zu sprechen.
Uns interessiert, was passiert, wenn wir diese Erfahrungen nicht nur betrachten, sondern miteinander ins Gespräch bringen. Unterschiedliche Erfahrungen dürfen nebeneinanderstehen. Widersprüche müssen nicht sofort aufgelöst werden. Erinnerungen können gehört, Gewissheiten hinterfragt und andere Perspektiven entdeckt werden.
Unser Zukunftsgespräch ist deshalb bewusst offen angelegt. Wir wollen nicht die eine fertige Zukunft präsentieren. Wir wollen gemeinsam darüber nachdenken, welche Zukunft wir wollen – und gleichzeitig erkunden, welche Möglichkeiten und Handlungsspielräume wir heute haben.
Dabei sollen unterschiedliche Erfahrungen und Sichtweisen ausdrücklich Raum bekommen: persönliche Geschichten ebenso wie wissenschaftliche Erkenntnisse, regionale Erfahrungen ebenso wie neue Ideen.
Denn Zukunft wird nicht allein in politischen Gremien, Unternehmen oder Forschungseinrichtungen geprägt. Sie entwickelt sich auch dort, wo Menschen einander zuhören, ihre Erfahrungen teilen, Unterschiede aushalten und beginnen, Möglichkeiten gemeinsam zu denken.
Was war? Was ist? Was könnte sein?
Und schließlich: Was davon können und wollen wir gemeinsam beeinflussen – und was können wir heute tun, damit daraus Zukunft wird?
Zukunftsschmiede Industriekultur: Jugend gestaltet Wandel

Sonntag, 13. September, 11 bis 16 Uhr im Dispatcherraum
Anna-Luise Friedrich, Forum Rathenau, Projektkoordinatorin, Zukunftsschmiede Industriekultur, stellt den Programmpunkt der Zukunftsschmiede auf dem Festival OSTEN vor:
Weshalb sollten die Gäste unbedingt an Eurem Angebot teilnehmen?
Anna-Luise Friedrich: Weil es interaktiv ist, praktisch mit Material, Metall gearbeitet werden kann und es dabei viel zu entdecken gibt. Wir bringen Teile einer derzeit entstehenden Mitmach-Ausstellung mit, in der das Material Aluminium erforscht und bearbeitet wird. Besuchende erhalten in der offenen Werkstatt einen Vorgeschmack der Inhalte und Methoden, mit denen das Aluminium-Mobil der Zukunftsschmiede ab Oktober im LK Anhalt-Bitterfeld auf Schulhöfen, Stadtfesten und Messen touren wird.
Wie werden die Inhalte/Ziele des Forum Rathenau vermittelt?
Anna-Luise Friedrich: Die Aluminium-Ausstellung ist Teil mehrerer Bildungs- und Beteiligungsangebote der Zukunftsschmiede, mit denen Transformation in der Region erfahrbar und mitgestaltbar werden soll. Aluminium als Material und Element hat die industrielle Geschichte der Region ebenso geprägt wie unser Namensgeber Walther Rathenau. Der Kreislaufzyklus von Aluminium funktioniert schon sehr gut – Kreislaufwirtschaft als zentrales Anliegen des Vereins wird hier in der offenen Werkstatt niedrigschwellig erfahrbar.
Für wen ist Euer Angebot besonders interessant?
Anna-Luise Friedrich: Das Angebot ist für ALLE interessant – keine Altersgrenze.
Alle Infos zum Programm des Festival OSTEN, das im Kraftwerk Zschornewitz stattfindet, finden Sie auf osten-festival.de und hier auf unserer Website: