Veranstaltung
CarbonCycleCultureClub (C4):

Wann kommt die Transformation der Infrastruktur für unsere Industrie?

Wann kommt die Transformation der Infrastruktur für unsere Industrie?

Beim CarbonCycleCultureClub (C4) am Donnerstag, 23. April 2026 wird von 18 bis etwa 21 Uhr im Industrie- und Filmmuseum Bitterfeld-Wolfen zum Thema „Wann kommt die Transformation der Infrastruktur für unsere Industrie?“ diskutiert. Im Fokus wird dabei die Infrastruktur stehen, die die Industrie benötigt, um klimaneutral zu werden sowie wettbewerbsfähig am Standort Deutschland und insbesondere im Mitteldeutschen Revier produzieren zu können. Außerdem wollen wir erörtern, ob wir eine realistische Perspektive auf günstigere Energiepreise für die Industrie haben.

Zu Gast beim Vorstand des Forum Rathenau und Geschäftsführer des Chemieparks Bitterfeld-Wolfen Patrice Heine, der diesen CarbonCycleCultureClub (C4) moderiert, werden sein:

  • Dr. Martin Chaumet, Scientific Director der beventum GmbH und Innovationsmanager bei der SPRIND (zugesagt)
  • Dr. Dirk Flandrich, Geschäftsentwicklung & Nachhaltigkeit // Business Development & Sustainability, GASCADE Gastransport GmbH (zugesagt)
  • Claus Sauter, Gründer von Verbio und auch Vorstandsvorsitzender der Unternehmensgruppe (zugesagt)
  • Dr. René Mono, Senior Vice President Unternehmensstrategie und Nachhaltigkeit, E.ON SE (angefragt)
  • Dr. Stephan Lowis, Vorstandsvorsitzender der envia Mitteldeutsche Energie AG (angefragt)

Angesichts der Herausforderungen für die europäische Wettbewerbsfähigkeit wurden beim Gipfeltreffen der europäischen Staats- und Regierungschefs Ende März auch Maßnahmen für niedrigere Energiepreise und eine höhere Versorgungssicherheit diskutiert. Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung, erklärte dazu: „Es ist von größter Bedeutung, Europas Stärke zu sichern und weiter auszubauen. Diese Stärke beruht maßgeblich auf der industriellen Basis der EU. Gerade in der durch die Entwicklungen im Nahen Osten nochmals veränderten aktuellen geopolitischen Lage zählt deshalb vor allem eines: politische Verlässlichkeit. Dazu gehört es, den Weg der Diversifizierung bei der Gasbeschaffung, des Hochlaufs der Wasserstoffwirtschaft, der Dezentralität der Stromerzeugung durch den Ausbau erneuerbarer Energien und der Netzinfrastruktur sowie der Elektrifizierung von Industrie, Gebäuden und Verkehr konsequent weiter zu beschreiten. Dies ist der richtige Pfad hin zu mehr Resilienz und Versorgungssicherheit. Damit dies gelingt, heißt es Festhalten am europäischen Strommarktdesign und seinem Preisbildungsmechanismus, ebenso wie am Emissionshandel. Beide sind zentral für die Versorgungssicherheit, Effizienz und Investitionen in ein klimaneutrales Energiesystem. Wer dieses Fundament infrage stellt, gefährdet unsere Resilienz, die Bezahlbarkeit von Energie und die weitere Integration des Energiebinnenmarkts in der EU“.

Carsten Franzke, Geschäftsführer der Stickstoffwerke Piesteritz (SKW) und Vorstand des Forum Rathenau sagte allerdings kürzlich im Interview mit dem MDR: „Die Uhr tickt. Wenn sich hier nicht drastisch was tut in der Branche, ist mit der Wirtschaft in Europa und in Deutschland Schluss.“ Das liegt auch an den politischen Rahmenbedingungen. „Die Bundesregierung hat laut und stark begonnen, aber schwächelt bei der Umsetzung“, sagte Franzke. Maßnahmen wie das Ende der Gasspeicherumlage brachten nur bedingt Besserung. Die Lage bei SKW ist weiterhin angespannt.

Die Chemieindustrie hat einerseits im Moment mit sehr hohen Energiepreisen zu kämpfen, andererseits wird eine neue Infrastruktur für die Stoffströme benötigt. Wird auf die fossile Rohstoffbasis verzichtet, brauchen die Unternehmen eine andere Rohstoffbasis, so der Chemieparkgeschäftsführer und Vorstand des Forum Rathenau Patrice Heine.

Viele Produkte, die wir häufig im Alltag verwenden wie zum Beispiel Kunststoffe, Farben, Lösemittel, Kosmetika und pharmazeutische Erzeugnisse werden derzeit zum größten Teil aus den fossilen Rohstoffen Mineralöl und Erdgas hergestellt. Der darin gebundene Kohlenstoff wird am Ende des Lebensweges der Produkte meist in Form des Treibhausgases Kohlenstoffdioxid (CO₂) emittiert.

Aufgrund der Klimaschutzziele in Deutschland und der Europäischen Union hin zur Klimaneutralität kann die Nutzung von fossilen Rohstoffen in dieser Weise nicht weitergeführt werden.

Deshalb wird nach alternativen Kohlenstoffquellen wie Biomasse, Kunststoffabfälle und CO₂ gesucht, um sie in die vorhandenen Wertschöpfungsketten der chemischen Industrie zu führen damit auf fossile Rohstoffe als Kohlenstofflieferant verzichtet werden kann.

Die Grundchemikalien wie Ethylen, Propylen, C4-Produkte (u.a. Butene), Benzol, Toluol, Xylol, Methanol und Harnstoff stehen am Anfang der Wertschöpfungskette vieler Produkte. Aus ihnen können fast alle kohlenstoffhaltigen Produkte der chemischen Industrie synthetisiert werden. Ammoniak ist eine weitere wichtige Grundchemikalie, die zwar keinen Kohlenstoff enthält, für deren Produktion allerdings momentan fossiles Methan genutzt wird. Gelingt es, diese Produkte komplett auf Basis von Biomasse, Kunststoffabfällen und CO₂ herzustellen, kann die Produktion rohstoffseitig klimaneutral werden.

Die Infrastruktur wird also nicht nur für die Energieversorgung benötigt, sondern auch um beispielsweise die Chemieindustrie mit Rohstoffen wie Wasserstoff zu versorgen.

Ein paralleler Ausbau von Wasserstoff- und Stromnetzen beispielsweise könnte nicht nur erneuerbare Energie aus den sonnigsten und windigsten Regionen Europas in die bevölkerungsreichen Industriezentren bringen, sondern wäre auch am günstigsten und könnte europaweit jährlich bis zu 70 Milliarden Euro einsparen. Dies sind die zentralen Ergebnisse einer umfassenden Modellanalyse der europäischen Energienetze durch Forschende der TU Berlin und der Universität Aarhus. Ein klug geplantes Wasserstoffnetz könnte dabei zu fast 70 Prozent aus vorhandenen Gasleitungen gebaut werden. Doch auch ohne jeglichen Ausbau der Übertragungsnetze wäre die Energiewende hin zu erneuerbaren Energiequellen möglich. Und das ohne Energieimporte.

„Am vorteilhaftesten wäre eine Kombination aus dem Ausbau von Strom- und Wasserstoffnetz“, erklärt dazu Dr. Fabian Neumann vom Fachgebiet „Digitaler Wandel in Energiesystemen“ der TU Berlin. Geschickt kombiniert, wären so Einsparungen von bis zu zehn Prozent möglich. „Das Stromnetz müsste sich hierfür allerdings immer noch in etwa verdoppeln“, sagt Neumann. „Jedoch könnte dies mit höherer gesellschaftlicher Akzeptanz geschehen, wenn stark umstrittene Stromtrassen gegebenenfalls mit Hilfe des Wasserstoffnetzes umgangen werden könnten.“ Siehe dazu Neumann et al. 2023.

Und auch hier in der Region entsteht eine neue Infrastruktur: Eine neue Wasserstoffleitung soll auf 120 Kilometern von Bobbau in Anhalt-Bitterfeld über den Saalekreis und den Burgenlandkreis bis nach Rückersdorf in Thüringen verlegt werden. Die Voruntersuchungen laufen bereits, um eine genaue Trasse bestimmen zu können. Ende 2029 soll die Leitung ans Netz gehen. Dr. Dirk Flandrich, Geschäftsentwicklung & Nachhaltigkeit // Business Development & Sustainability von der GASCADE Gastransport GmbH, dem ausführenden Unternehmen, wird beim C4 einen genaueren Einblick in die geplante Infrastruktur und die zeitlichen Abläufe geben.

Derzeit befindet sich die Planung für die neue Trasse noch in den Anfängen, die parallel zu einer bereits bestehenden Leitung führen soll, die Erdgas transportiert. „Wir müssen für einen Übergangszeitraum die Netze parallel laufen lassen“, sagte Uta Kull, Pressesprecherin bei Gascade, gegenüber der MZ. Das Unternehmen werde beide Leitungen betreiben und müsse die Versorgungssicherheit gewährleisten. Daher sei auch eine Umwidmung der Erdgasleitung auf dieser Strecke aktuell keine Option.

Diese Wasserstoffleitung ist Teil einer Strategie der Bundesnetzagentur, die den Markthochlauf von Wasserstoff zum Ziel hat.

Mit einem Wasserstoff-Kernnetz sollen große Verbrauchs- und Erzeugungsregionen für Wasserstoff in Deutschland erreicht und unter anderem Industriezentren, Speicher, Kraftwerke und Importkorridore angebunden werden. Dieses Kernnetz soll wichtige Wasserstoffinfrastrukturen beinhalten, die bis 2032 in Betrieb gehen sollen. Ein Großteil der Leitungen wird umgestellt, ein etwas kleinerer Teil wird neu verlegt. Das zeigt die Karte der Bundesnetzagentur.

Gascade arbeitet nicht allein, sondern hat sich mit Partnern wie Ontras und Terranets BW zusammengeschlossen, um insgesamt 1600 Kilometer Leitung auf Wasserstoff umzustellen. Das Projekt nennt sich „Flow – making hydrogen happen“.

Windkraft ist die Technologie, die beventum im Blick hat. Das Team möchte Windkraft in Deutschland auf ein komplett neues Level bringen. beventum selbst arbeitet nicht gewinnorientiert. Der Erfolg, der angestrebt wird, ist die Nutzbarmachung neuer innovativer Windkrafttechnologien für die gesamte Wirtschaft. Das Team ist verteilt auf die Standorte Leipzig und Essen. Dr. Martin Chaumet, Scientific Director der beventum GmbH und Innovationsmanager bei der SPRIND, wird beim C4 unter anderem davon berichten, was die Nutzbarmachung neuer innovativer Windkrafttechnologien für das Mitteldeutsche Revier bedeuten kann.

In Schipkau in der Lausitz entsteht derzeit beispielsweise ein Windrad der Superlative: Mit 365 Metern wird es fast so hoch wie der Berliner Fernsehturm. Es könnte die Effektivität von Windenergie revolutionieren. Die Konstruktion soll neue Möglichkeiten eröffnen. In Zukunft könnten Windparks mit dieser Technik in mehreren Etagen arbeiten. Verschieden große Windräder würden den Wind in unterschiedlichen Höhen nutzen. Gefördert wird das Projekt durch die Bundesagentur für Sprunginnovationen, die gezielt Vorhaben unterstützt, die das Potenzial für grundlegende technologische Veränderungen haben. Noch ist der Bau nicht wirtschaftlich, die Anlage in Schipkau gilt als Pilotprojekt. Doch Gicon will hier Erfahrungen sammeln, die später in eine Serienproduktion münden sollen. Im September 2024 feierte die beventum GmbH die Grundsteinlegung für dieses erste Forschungshochwindrad in Klettwitz bei Schipkau. Der Umsetzungspartner ist die GICON® GmbH. Martin Chaumet, sagte bei der Grundsteinlegung, dass zukünftig durch die Höhenwindnutzung Energie nach Bedarf und Akzeptanz der Nutzer erzeugt werden und gleichzeitig der Flächenbedarf für Windenergie minimiert wird.

Claus Sauter, BioEnergie-Experte und Gründer & Vorstandsvorsitzender von Verbio SE wird in die Diskussion den Blick seines Unternehmens einbringen. Verbio hat unter anderem eine innovative Technologie entwickelt, um aus ungenutztem Stroh und dem Reststoff Schlempe aus der Bioethanolproduktion den klimafreundlichen und kostengünstigen Energieträger Biomethan herzustellen. Das Stroh wird nach der Ernte auf den Feldern der regionalen Landwirtschaft erfasst. Der bei der Biomethanherstellung entstehende Humus- und Flüssigdünger wird im Sinne maximaler Nachhaltigkeit wieder auf die Felder zurückgebracht.

Die Verbio SE hat ihren Sitz in Zörbig (Sachsen-Anhalt) und einen Verwaltungssitz in Leipzig (Sachsen). Am Produktionsstandort in Bitterfeld wird seit dem Jahr 2001 Biodiesel produziert. Im Jahr 2015 begann dort die Sterolproduktion und 2024 war hier der Spatenstich für die neue Produktionsanlage für biobasierte Chemikalien.

Es wird aber auch Industrien geben, die auch in Zukunft nicht komplett auf fossile Rohstoffe verzichten werden können.

Dies wurde unter anderem beim CarbonCycleCultureClub (C4) zum Thema „Quo vadis CMS-Strategie Sachsen-Anhalt?“ am 26. Februar 2026 in Magdeburg zur Zukunft der Kohlenstoffkreislaufwirtschaft im Mitteldeutschen Revier diskutiert.

Carsten Franzke, Vorstand des Forum Rathenau und Geschäftsführer der SKW Stickstoffwerke Piesteritz GmbH, betonte beispielsweise eindringlich, welchen wertvollen Beitrag Kohlenstoffkreislaufwirtschaft zum Erreichen von Klimaneutralität leisten kann, ohne den Wohlstand zu gefährden oder Deutschland als Industriestandort in Frage zu stellen. Carsten Franzke sagte: „Kohlenstoffkreislaufwirtschaft ist eine entscheidende Lösung für den Klimaschutz.“ CCU, die Speicherung von CO₂ (Kohlenstoffdioxid) und die (spätere) Nutzung, sei deshalb eine Zwischenlösung auf dem Weg in eine klimaneutrale Wirtschaft. 

Staatssekretärin Stefanie Pötzsch hatte sich mit Blick auf Sachsen-Anhalt für ein pragmatisches wirtschaftsnahes und wettbewerbsfähiges Carbon Management in Sachsen-Anhalt ausgesprochen. Sie sagte: „Die Veranstaltung hat deutlich gemacht: Der Wirtschaftsstandort Sachsen-Anhalt steht vor der anspruchsvollen Aufgabe, ehrgeizige Klimaziele mit dem Erhalt und dem weiteren Ausbau unserer industriellen Wertschöpfung in Einklang zu bringen. Gerade als industriell geprägtes Bundesland wissen wir, dass es Branchen gibt – etwa in der Zement-, Kalk- oder Chemieindustrie –, in denen sich Emissionen nicht oder nur schwer vermeiden lassen. Darüber hinaus benötigt die Chemieindustrie Kohlenstoff als Rohstoff, und die CO2-Speicherung bietet die Möglichkeit von Negativemissionen. Carbon Management wird daher mitentscheidend für Klimaschutz und Wertschöpfung sein. Ich bin davon überzeugt, das Mitteldeutsche Revier hat das Potenzial, sich zu einer Vorreiterregion für eine moderne Kohlenstoffkreislaufwirtschaft zu entwickeln.“

Aber auch hierfür ist die entsprechende Infrastruktur von großer Bedeutung für die Umsetzung. Die Grundlage für eine CO2-Speicherung und CO2-Nutzung ist die CO2-Infrastruktur.

Beim CarbonCycleCultureClub (C4) zum Thema „Ist CO2 der Rohstoff der Zukunft?“ hatte Dr. Kai Schulze, Technical Manager im Bereich Grüne Gase der VNG AG, die wesentlichen Ergebnisse des Projekts CapTransCO2 erläutert. Dabei ging es um die Machbarkeit einer klimaneutralen mitteldeutschen Industrie durch den Aufbau einer vernetzten CO2-Transportinfrastruktur für CCU/CCS, die mit vielen regionalen Projektpartnern geprüft wurde.  „Man darf ja nicht vergessen, es gibt keine Infrastruktur für CO₂“, sagte Schulze bei der damaligen Veranstaltung. Im Rahmen des Projekts wurden drei mögliche Trassen von Bad Lauchstädt zu Seehäfen untersucht, nach Stade, an die Ostsee und ins Rhein-Ruhrgebiet. Dabei zeigte sich, dass die theoretische Route von Bad Lauchstädt nach Stade mit 1.104 Millionen Euro vergleichsweise noch die günstigste sei. Als frühestmöglichen Zeitpunkt der Inbetriebnahme nannte er das Jahr 2033.

Wir laden Sie ein mit uns und den Podiumsgästen zum Thema „Wann kommt die Transformation der Infrastruktur unsere Industrie?“ zu diskutieren!

Anfahrt

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Google Maps. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen
Anmeldung

Nachfolgend haben Sie die Möglichkeit, sich für die Veranstaltung anzumelden.

Melden Sie sich hier für die Teilnahme in Präsenz an.

Melden Sie sich hier für die digitale Teilnahme an.

Sie erhalten nach der Anmeldung den Link zum YouTube-Livestream der Podiumsdiskussion per E-Mail. Nutzen Sie gern die Möglichkeit, während der Diskussion Fragen im Chat zu stellen, die von den Diskussionsteilnehmer:innen aufgegriffen werden.