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Rückblick: Zukunftsgespräch: Wie gestalten wir, wie wir morgen leben wollen?

Foto: Forum Rathenau / Sergei Balyberdin

Die Kunst, gemeinsam zu denken: Wie wollen wir morgen leben? Das Zukunftsgespräch des Forum Rathenau e.V. am Samstag, 26. September 2026, beim Festival OSTEN widmete sich der Frage, wie es weitergeht. In Zschornewitz, wo jahrzehntelang Braunkohle zu Strom wurde, ist Strukturwandel gelebte Biografie: Die Vergangenheit ist hier noch sichtbar, die Zukunft bleibt offen. Wie gelingt Wandel unter solchen Bedingungen? Und was bedeutet er für Unternehmen, für das Zusammenleben vor Ort und für die Generationen, die nach uns kommen?

Anders als bei einer Podiumsdiskussion gab es keine Bühne: Im „Atelier für gegenseitiges Interesse“, einer offenen Holzkonstruktion unter freiem Himmel, standen vier Mikrofone in der Mitte, drumherum Sitzplätze. Wer sprechen wollte, setzte sich nach innen. Wer genug gesagt hatte, ging zurück nach außen oder weiter über das Gelände. Und wer noch etwas loswerden wollte, kam wieder. 

Nicole Schmalfuß und Dr. Kerstin Schmidt moderierten und setzten von Beginn an auf Verlangsamung statt Zuspitzung. „Es soll kein provokativer Ansatz sein, sondern ein verlangsamender“, erklärte Schmalfuß auf die Frage, wie so ein Gespräch überhaupt in Gang kommt. Zeit nehmen, zuhören, die Themen mit Ruhe annehmen: das Gegenmodell zu vielen Debatten, wie sie heute in Medien und Politik geführt werden. Zum Einstieg verteilten sich die Teilnehmer:innen im Raum. Wer denkt oft über die Zukunft nach, wer selten? Wer eher sorgenvoll, wer hoffnungsvoll? Wer allein, wer mit anderen? Dann kamen die Regeln, in genau dieser Reihenfolge: zuhören, respektieren, innehalten, sprechen.

Foto: Forum Rathenau / Sergei Balyberdin

Es ging ums Thema und nie um die Person, ganz im Sinne des Mottos „Die Kunst, gemeinsam zu denken“. Und es ging um die eigene Umgebung, nicht um das, was Expert:innen sagen. Die Themen brachte das Publikum selbst mit: Kommunikation in schweren Zeiten, gemeinsame Energien, politischer Gegenwind und Rückenwind, der Mut zum Scheitern. Und die Frage, wie oft uns Scham bremst. Politik spielte anfangs kaum eine Rolle, mit der Zeit wurde sie präsenter. Streit blieb aus, die Perspektiven auf Gegenwind und Rückenwind gingen trotzdem auseinander, mal hoffnungsvoll, mal weniger. Eine Antwort auf die Leitfrage zeichnete sich am Ende dennoch ab: Wie wir morgen leben wollen, entscheidet sich im Kleinen, in Gesprächen wie diesem, und es braucht Energie dafür, gemeinsame und positive. Der Anspruch dahinter blieb bewusst bescheiden: keine Lösung für immer, sondern Praktiken, die punktuell wirken und immer wieder neu ausgehandelt werden.

Foto: Forum Rathenau / Sergei Balyberdin

Rund 15 Personen saßen im Laufe der 90 Minuten im Atelier, allerdings selten dieselben. Das offene Gelände sorgte für ständigen Wechsel: Festivalgäste kamen dazu, hörten eine Weile zu, gingen weiter oder setzten sich ans Mikrofon. Die Sorge, dass die ersten Minuten in Stille verstreichen könnten, löste sich von allein auf. Im Wrap-up nannten die Teilnehmer:innen vor allem das Bild von Gegenwind und Rückenwind als das, was sie mitnehmen. Und die Erkenntnis, dass Zukunft aus Praktiken entsteht und nicht aus großen Beschlüssen. Kerstin Schmidt zog ein klares Fazit: „Am Anfang war es wie ein Sprung vom Zehnmeterbrett. Und dann war es großartig, immer und immer wieder.“ Ein Format, das es öfter geben sollte. Nicole Schmalfuß stimmte zu: „Energie ist essenziell. So etwas muss häufiger stattfinden.“